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Talvj (Therese Albertine Louise von Jacob) – Einer jungen Freundin


Einer jungen Freundin.

(1858)

Als ich im bunten Blumenbeete
Zuerst dich junge Knosp' ersah,
Da fühlt' ich gleich: Dem Kelch entwehte
Der schönen Seele Aroma.


Seitdem hast du die Welt befahren,
Still angebaut so Geist als Herz,
Und hast in jungen Hoffnungsjahren
Schon tief erprobt des Lebens Schmerz.


Stehst nun als volle Ros' erschlossen,
Vermischt mit andrer Rosen Art;
Doch fühl' ich's, du vor den Genossen,
Du hast den echten Duft bewahrt.


Der Duft, der macht dich mir zu eigen,
Jung oder alt, Weib oder Mann,
Wo Seelen sich zu Seelen neigen,
Kommt's auf Geschlecht und Zeit nicht an!


Wenn farblos diese Blüten bleichten,
Wenn welk der Kelch hängt niederwärts,
Wird's duftig deinem Aug' entleuchten,
Dein liebes, frommes, treues Herz!

Therese Albertine Louise von Jacob (26. Januar 1797, Halle – 13. April 1870, Hamburg)


aus: Talvj – Gesammelte Novellen, nebst einer Auswahl bisher ungedruckter Gedichte, Zweiter Theil, F. A. Brockhaus, Leipzig, 1874, S. 490 f.

Abbildung: William Bouguereau – The Bather

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Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

Vollmondnacht! Von allen Hügeln
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Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


Wund mein Herz .... der Wogen Rauschen
Scheucht die Ruh’ von meinem Pfühl –
Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87