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Es werden Posts vom Mai, 2010 angezeigt.

Ōtomo no Sakanoe no Iratsume

Claude Monet - Die japanische Brücke

Da du versprachst, daß du mich lieben wolltest
Auf immerdar, bis zu den fernsten Jahren,
So hab' ich dir mein Herz dahingegeben,
Mein Herz, so klar wie ein geschliffner Spiegel.
Seit jenem Tage schmiegt' ich mich an dich,
Wie sich das Seegras an die Wellen schmieget,
Und dir allein nur galt mein ganzes Sinnen.
Doch da ich so mein Hoffen auf dich stellte,
Wie einem großen Seeschiff man vertraut,
Was ist geschehn? - hat von den ungestüm
Gesinnten Göttern einer uns getrennt,
Ist es ein ird'scher Mensch, der zwischen uns
Getreten? daß du nimmer mehr wie früher
Zu mir die Schritte lenkst und auch kein Bote
Mit Heroldstab von dir mir Kunde bringt?
Mein Herz ist trostlos, weiß sich nicht zu helfen.
Die ganze lange, rabenschwarze Nacht,
Den Tag, bis sich die rote Sonne senkt,
Verschmacht' ich klagend, liebessehnsuchtsvoll.
Mein Herz ist trostlos, weiß sich nicht zu helfen.
Mit Recht nennt man uns Jungfraun zarte Wesen:
Gleichwie ein kleines Kind, so weine ich
Nun…

Emily Dickinson - How Happy Is The Little Stone

Wie glücklich ist der kleine Stein,
Der über Wege streift allein
Und um Erfolg sich kümmert nicht
Auch kein Verlangen aus ihm spricht – –;
Der eingehüllt in schlichtes Braun
Um sich das Universum trägt,
Und wie die Sonne frei und rein
Verbindet und alleine leuchtet,
das höchste Sein verwirklicht er
durch schlichte Einfachheit … nichts mehr – –


übertragen von Maoi Milalis bei ngiyaw eBooks



How happy is the little Stone
That rambles in the Road alone,
And doesn't care about Careers
And Exigencies never fears – –;
Whose Coat of elemental Brown
A passing Universe put on,
And independent as the Sun
Associates or glows alone,
Fulfilling absolute Decree
In casual simplicity – –

Carmen Sylva - Die Sonne sprach von Liebe

Die Sonne sprach von Liebe,
Daß Liebe Leben weckt,
Und hat mit glühenden Pfeilen
Verhöhnt mich und geneckt.

Da ward in mir ein Wüthen,
Ein heißes Sehnen wach,
Weil mir's, der Niebezwung'nen,
An Strahlenkraft gebrach.

Da hab' ich Stirn und Haare
Mit Feuerglanz geschmückt,
An meinem Wogenbusen
Die Erde todtgedrückt.

Ich hab' der stillen Sonne
Gezeigt, was Singen heißt,
Wie man zerflatternd, jauchzend,
Sich und die Welt zerreißt.

In meine dunkeln Augen
Sah sie mit goldnem Licht:
Du arme Unfruchtbare!
Die Liebe kennst du nicht!

aus: Carmen Sylva, Meerlieder, Verlag von Emil Strauß, Bonn, 1891, S. 48 f.

Thekla Lingen – Sieg

SIEG

Es zogen drei Frauen zum Kampf hinaus,
Es ward ihnen eng in dem stillen Haus,
Sie wollten das Leben sehn.
Die Erste war schön, ein junges Blut,
Die zweite war klug und auf ihrer Hut,
Die Dritte – nun, die war einfach gut! – – –
Wie wird es den Dreien ergehn?

Sie nahmen den bösen Kampf nun auf,
Doch kurz war der Dreien Siegeslauf,
O Schmach und bittere Not!
Die Schönheit zahlte den Schmerzenslohn,
Die Kluge erntete Spott und Hohn,
Und der Guten, – der wurde die Siegerkron':
Sie lächelte – und war tot …

Den Feind lieben ganz ohne Wehr,
So steht es geschrieben in Christi Lehr'.


      Die Kinder sagen es her.


aus: Das Magazin für Litteratur, Siebenundsechzigster Jahrgang, Herausgegeben von Rudolf Steiner, Otto Erich Hartleben und Moritz Zitter, Verlag Siegfried Cronbach, Berlin, 1898, Spalte 494 f.
Thekla Lingen (06. oder 18.03.1866 – 07.11.1931)

Pauline Schanz – Paradiesvogel

Zhou Shuxi – Camellia and a Lonely BirdParadiesvogel
Vögel giebts mit Goldgefieder,
Die, dem Sonnenstrahle gleich,
Leuchtend tauchen auf und nieder
Ruhlos in der Lüfte Reich.

Ihre Augen sind Rubinen,
Diamanten und Smaragd
Funkeln, wenn vom Licht beschienen,
Fächelt ihrer Flügel Pracht.

Unter der Gevögel Scharen,
Herrschern in der Lüfte Reich,
Keines kommt dem wunderbaren
Paradiesesvogel gleich.

Aber wenn der Abend dunkelt,
Jeder fliegt dem Neste zu,
Er nur schwebt noch, singt und funkelt,
Denn für ihn giebts keine Ruh.

Statt der Füsse hat er Schwingen,
Leuchtend, glühend, purpurrot,
Statt zu rasten, muss er singen,
Funkeln, glänzen, bis er tot.

Ob die andern schlummernd träumen,
Traum und Schlummer kennt er nie: –
Ruhlos so in Aetherräumen
Fliegt des Dichters Phantasie.

Glühend, leuchtend, farbenprangend,
Einsam in der Lüfte Schoss,
Zwischen Erd und Himmel hangend,
Goldbeschwingt und – heimatlos.


aus: Dresdner Dichterbuch, Herausgegeben von Dr. Kurt Warmuth, Verlag von Wilhelm Baensch,…

Stine Andresen – Das Haus am Strand

Lea von Littrow – Wäscherinnen an der Mole (um 1890)Stine Andresen – Das Haus am Strand.

Es liegt ein Haus am Strande, Umrauscht vom Schilf und Ried, Die Welle rollt zum Lande Und singt ihr altes Lied. Es huschen wie Gespenster Die Möwen um das Haus; Es blickt zum offnen Fenster Ein holdes Kind hinaus.
Die Sonne will versinken In blauer Meeresflut Und zarte Wölkchen trinken Des Westens Purpurglut; Am kleinen Häuschen schimmert Jedwedes Fensterlein, Des Mägdleins Goldhaar flimmert Im Abendsonnenschein.
Vor meinem Geiste schwebet So wundersam und mild, Indes das Herz mir bebet, Dies heimatliche Bild. Und wie's so schön gestaltig, So freundlich an mich lacht, Ist in der Brust gewaltig Das Heimweh mir erwacht.
Du stilles Haus am Strande, Ich ließ mein liebstes Gut Auf diesem Erdenlande In deiner treuen Hut; Nicht länger will ich säumen, Eh' noch verrinnt das Jahr, Birgst du in deinen Räumen, Will's Gott, ein selig Paar.

Stine Andresen, Gesammelte Gedichte, Herausgegeben von K. Schrattenthal, Schriften-Niederl…

Johanna Charlotte Unzer – Bacchus

Johanna Charlotte Unzer(27. November 1725 in Halle – 29. Januar 1782 in Altona)

Bacchus.
Ich habe den Vater der Lieder, Den freundlichen Bacchus gesehn. Steh! rief er und taumelte nieder; Der Wankende konnte nicht stehn. Ich reicht' ihm die helfenden Hände: Ach, aber, wie war er so schwer! Ich fiel, und da sagt' er, er fände, Ich sei noch berauschter als er.
Der boshafte Vater der Wahrheit Betrog sich für diesmal gewiss. Ich sah ja mit völliger Klarheit, Dass er nur zu Boden mich riss. Doch, um ihn nicht Lügen zu strafen, Und weil er sich selten betrügt: Bin ich gleich gefällig entschlafen, – Und eben erwach ich vergnügt!
aus: Die zehnte Muse, Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl, herausgegeben von Maximilian Bern, Verlag Otto Eisner, Berlin, 12. Tsd. 1904, S

Bertha Nölting (Pseudonym: E. Heldt) – Goethes Friederike

Friederike Brion
I.
Im wohlgehegten Gärtchen, umglänzt vom Morgenschein, Wo um die Gitterlaube sich Geisblatt schmiegt und Wein,
Dort sitzt im weißen Kleide, das Silberhaupt gesenkt, Die Greisin traumverloren ndash;: ob sie der Jugend denkt?
Die Sonntagsglocken klingen traut durch die stille Luft, Und aus den Fliederbüschen der Fink sein Liebchen ruft. –
Vor zweiundvierzig Jahren! Ein Morgen so wie heut – Zur Sonntagsfeier rief uns ser Glocken sanft Geläut. –
Da schritt an meiner Seite der Jüngling wunderbar, Die Gluth und Kraft der Sonne im dunklen Augenpaar!
Und Flammenworte flossen von seinem frischen Mund Und thaten ein geheimniß, das seligste, mir kund!
O Tag, so reich an Wonnen! O Tag der Zauberpracht! Wie bist du schnell versunken! Wie dunkel war die Nacht!
Und doch mit reinstem Schimmer hast du mein Herz erhellt, Daß ich dich nimmer tauschte um alles in der Welt!
Ich habe ihn gesegnet viel tausend, tausend Mal, Den mir der Herr gesendet in's grüne Elsaßthal!
Er hob nach kurzer Ruhe das mächt&…

Sophie Verena – Stille Liebe

Stille Liebe
Wär' ich ein Mann! – ich müßte sie erringen,
     Sie, die mein Herz erwählt, sie würde mein,
     Ich würde alles Hemmende bezwingen,
     Ich würd' ein Held für meine Liebe sein.
Mit starkem Arm teilt' ich des Lebens Wogen,
     Erwürbe Ansehn, Ruhm und Reichtum mir,
     Und hätt' ich dann das goldne Netz gezogen,
     Legt ich die Schätze all' zu Füßen ihr.
Ich wollte stets mit Liebe sie umgeben,
     Ich schaffte ihr den schönsten eignen Herd,
     Ich böte ihr solch volles, reiches Leben,
     Wie's wen'gen Sterblichen noch ward beschert.
Wär' ich ein Mann, da gäb's kein Unterliegen,
     Mit einer solchen Liebe muß man siegen.

Ich bin ein Weib! – und mit gebundnen Händen
     Kann für mein Lieben ich nicht kämpfen, wagen,
     Darf keinen Strahl aus meinem Herzen senden,
     Ihm, was so lang dort lebt und glüht, zu sagen.
Und seh' ich ihn, so darf das Hochentzücken
     Doch nimmermehr aus meinen Augen leuchten,
     Oft will das Herz vor heißem…