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Ōtomo no Sakanoe no Iratsume



Claude Monet - Die japanische Brücke


Da du versprachst, daß du mich lieben wolltest
Auf immerdar, bis zu den fernsten Jahren,
So hab' ich dir mein Herz dahingegeben,
Mein Herz, so klar wie ein geschliffner Spiegel.
Seit jenem Tage schmiegt' ich mich an dich,
Wie sich das Seegras an die Wellen schmieget,
Und dir allein nur galt mein ganzes Sinnen.
Doch da ich so mein Hoffen auf dich stellte,
Wie einem großen Seeschiff man vertraut,
Was ist geschehn? - hat von den ungestüm
Gesinnten Göttern einer uns getrennt,
Ist es ein ird'scher Mensch, der zwischen uns
Getreten? daß du nimmer mehr wie früher
Zu mir die Schritte lenkst und auch kein Bote
Mit Heroldstab von dir mir Kunde bringt?
Mein Herz ist trostlos, weiß sich nicht zu helfen.
Die ganze lange, rabenschwarze Nacht,
Den Tag, bis sich die rote Sonne senkt,
Verschmacht' ich klagend, liebessehnsuchtsvoll.
Mein Herz ist trostlos, weiß sich nicht zu helfen.
Mit Recht nennt man uns Jungfraun zarte Wesen:
Gleichwie ein kleines Kind, so weine ich
Nun kläglich, wandle ruhelos umher.
Wie soll ich's tragen, länger noch des Boten
Zu harren? Die Geduld wird endlich reißen.
Hätt'st du von Anfang
Mir Hoffnung nicht gewecket
Auf ewige Liebe,
Wär' ich in diese herbe
Verzweiflung je geraten?


verm.: Ōtomo no Sakanoe no Iratsume (c. 700-750) japanische Poetin


aus: Der Völker Liebesgarten, herausgegeben von Paul Seliger,  Julius Zeitler VerlagLeipzig, 1909



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Sophie Jacot des Combes - Zeit

Zeit.

Zeit fliesst wie ein Strom,
in den wir greifen;
wir spüren ihn fliehn
und halten ihn nicht.


Schneller und schneller
hastet er dahin,
zieht uns tief
zu sich hinab.


Schon netzt er kühl
unsere Stirnen. Gebeugt
harren wir einer Welle,
die uns umfasst.




Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
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Und ich befehle seinen lauen Fluten,
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Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
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Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

Vollmondnacht! Von allen Hügeln
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Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


Wund mein Herz .... der Wogen Rauschen
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Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87