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Pauline Schanz – Paradiesvogel

Zhou Shuxi – Camellia and a Lonely Bird

Paradiesvogel


Vögel giebts mit Goldgefieder,
Die, dem Sonnenstrahle gleich,
Leuchtend tauchen auf und nieder
Ruhlos in der Lüfte Reich.

Ihre Augen sind Rubinen,
Diamanten und Smaragd
Funkeln, wenn vom Licht beschienen,
Fächelt ihrer Flügel Pracht.

Unter der Gevögel Scharen,
Herrschern in der Lüfte Reich,
Keines kommt dem wunderbaren
Paradiesesvogel gleich.

Aber wenn der Abend dunkelt,
Jeder fliegt dem Neste zu,
Er nur schwebt noch, singt und funkelt,
Denn für ihn giebts keine Ruh.

Statt der Füsse hat er Schwingen,
Leuchtend, glühend, purpurrot,
Statt zu rasten, muss er singen,
Funkeln, glänzen, bis er tot.

Ob die andern schlummernd träumen,
Traum und Schlummer kennt er nie: –
Ruhlos so in Aetherräumen
Fliegt des Dichters Phantasie.

Glühend, leuchtend, farbenprangend,
Einsam in der Lüfte Schoss,
Zwischen Erd und Himmel hangend,
Goldbeschwingt und – heimatlos.


aus: Dresdner Dichterbuch, Herausgegeben von Dr. Kurt Warmuth, Verlag von Wilhelm Baensch, Dresden, 1903, S. 128f.

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Sophie Jacot des Combes - Zeit

Zeit.

Zeit fliesst wie ein Strom,
in den wir greifen;
wir spüren ihn fliehn
und halten ihn nicht.


Schneller und schneller
hastet er dahin,
zieht uns tief
zu sich hinab.


Schon netzt er kühl
unsere Stirnen. Gebeugt
harren wir einer Welle,
die uns umfasst.




Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
Daß sie mich tragen, ihre Königin!
Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
Kühn lebt mein Heute, müde schläft mein Gestern —
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Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
Ich sehne mich nach einem wilden Sehnen,
Ich sehne mich nach schw…

Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

Vollmondnacht! Von allen Hügeln
Nieselt’s silberblau in’s Meer,
Auf des Südwind’s trägen Flügeln
Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


Wund mein Herz .... der Wogen Rauschen
Scheucht die Ruh’ von meinem Pfühl –
Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87