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Es werden Posts vom Dezember, 2010 angezeigt.

Bertha Rombauer – (Christabend ist's – und in dem kleinen Zimmer)

Zum 14. Dezember 2010

Christabend ist's – und in dem kleinen Zimmer
Sind alt und jung versammelt um den Baum,
Spielsachen, Pfefferkuchen, Goldgeflimmer,
Sind rings verstreut in dem geschloss'nen Raum.


Mit regem Fleiße alle sich bemühen,
Den Baum zu schmücken für das frohe Fest,
Bald sieht man schwankend hin und her ihn ziehen,
Auch nicht ein Aestchen leer die Sorgfalt läßt.


Seit Tag und Wochen harrten schon die Kinder,
Und malten sich in ihrem frischen Sinn
Bald zagend, scheu, bald freuend sich nicht minder,
Viel schöne Sachen für den Abend hin.


Die Glocke tönt, es öffnen sich die Thüren,
Die Kinder treten ein mit frohem Blick,
Die größern eilen vor, die kleinern führen
Die Eltern ein, im Auge stilles Glück.


Und als sie sehn das bunte frohe Treiben
Erfaßt Erinn'rung sie an alte Zeit,
An manches gleiche Fest, und stille weihen
Sie eine Thräne der Vergangenheit.


aus: Bertha Rombauer, Bunte Blätter, A. Wiebusch & Son Prtg. Co., St. Louis, Mo., USA, Februar 1889, S. 22

Frances Sargent Osgood - Stumme Liebe

Geschlossner Rosenknospe gleich im Hag
Sei unsre Lieb’, erröthend, sich zu  zeigen,
Verschleiernd Duft und Glanz bis zu dem Tag,
Wo Seel’ und Seel’ der Staubesfüll’ entsteigen.


Laß keinen Hauch der Leidenschaft die Hut
Der scheuen Blätter zu Entfaltung schrecken;
Laß nicht des Sonnenstrahls zu heiße Gluth
Die thauige Frische ihres Kelchs beflecken!


Verschlossen wahr sie wie ein Heiligthum —
Mit Thränen magst du sie, mit Lächeln nähren;
Doch hüte stets den lichten Schleier drum,
Laß kein Berühren ihre Pracht entehren!


Sei du begnügt, zu wissen, nicht zu sehn
Die Gluth, den reichen Schatz in ihrer Seele,
Zu fühlen ihres Blumengeistes Wehn —
Und halt ihr Lächeln rein von Sünd’ und Fehle!


O, wahr sie heilig! Zwingst du sie zum Blühn: —
Gen Himmel wird sie ihren Duft entschicken,
Wie  einst mit Trauer floh und Zornesglühn
Der aufgeschreckte Gott vor Psyche’s Blicken.


aus: Lieder- und Balladenbuch amerikanischer und englischer Dichter der Gegenwart, Herausgegeben und übertragen von Adolf Strothmann, Hoffmann u…

A. Brook - Trost

Die Wolke zieht nach oben, macht alles dicht und grau,
»Der Himmel immer schwärzer, verliert sein lichtes Blau.«


Was klagst du denn so bitter, als sollte die vergehn,
Die Sonne steht dahinter, du kannst sie nur nicht seh'n.


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 36



Maoi Milalis – Mutter.

Zum zwölften Dezember 2010

wie muss es denn sein,
geliebt zu werden
wärme zu spüren?
von einer mutter
umarmt zu werden
wärme zu spüren?
abzuschütteln die
kälte der umwelt
wärme zu spüren?


doch ich weiss es nicht –


so ersehne ich
einen fernen ort,
um einmal nur die
wärme zu spüren.


aus: copyrighted Maoi Milalis, 13 Liebesgedichte, geschrieben verm. um 2001, veröffentlicht bei ngiyaw eBooks

A. Brook - Das Bild der Mutter

Du blickst mich an so ernst, so mild,
Daß sich mein Aug’ mit Thränen füllt;
Und schweigt dein Mund, so spricht er doch
Zu mir in alter Liebe noch:
»Gott ließ derweil voran mich geh’n,
»Bald sollst auch du den Himmel sehn;
»Gedulde dich, ich schau dir zu,
»Hart mußt’ ich kämpfen. — Kämpf’ auch du!«


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 35.



Emma von Brandis-Zelion - Unverstanden

In meines Herzens Garten
Blüh'n Blumen groß und klein,
Doch ach, es fehlt den armen
Der Liebe Sonnenschein.


Der Sonnenschein der Liebe,
Der Liebe warme Glut,
Und ihre Wurzeln trinken
Nur immer Thränenflut.


Ihr armen, armen Blumen,
Wie müßt ihr doch vergeh'n,
Vergehen und verbleichen,
Verbleichen ungeseh'n.


Das größte aller Leiden
Das es hienieden gibt,
Ist — nicht verstanden werden,
Wo man am meisten liebt.


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 31.



Ferdinande Freiin von Brackel - Volkslied

Nun laß die Lieb begraben sein,
Sie ist ja tot, sie ist ja tot;
Und um die Toten weint man sich
Die Augen rot, die Augen rot.


Doch einen Strauß, den gib noch mit!
Den letzten Strauß, den letzten Strauß,
Den gibt man allen Toten wohl
Noch mit hinaus, noch mit hinaus.


Und eine Nelke bind' hinein,
Die feurig ist, recht feurig ist,
Wie uns're Lieb im Leben auch
Gewesen ist, gewesen ist.


Auch Rosmarien thu hinzu:
Das deut' auf Schmerz, das deut' auf Schmerz.
Weiß doch allein, wie weh mirs war
Allzeit ums Herz, allzeit ums Herz.


Nimm auch ein wenig Gelbveiglein:
Das spricht von Neid, das spricht von Neid.
Vom Neide ja gekommen ist
All dieses Leid, all dieses Leid.


Und höre, nimm auch Blümlein blau:
Die Männertreu, die Männertreu,
Weißt wohl, wenn man d'rauf blasen thut,
Ists gleich vorbei, ists gleich vorbei.


Doch wenn du find'st Vergißmeinnicht:
Thus nicht hinein, thus nicht hinein;
Es muß die Lieb ja nun mal doch
Vergessen sein, vergessen sein.


Und kanns das arme Herze nicht:
Dann ists bald au…

Antonie Brehmer-Gaffron - Mahnung

Wenn ein off'nes Grab ich seh,
Mahnts zu treu'rem Lieben
Aller, die zu Glück und Schmerz
Mir zurückgeblieben.


Daß mich ein geschloss'nes Grab
Nie als Vorwurf schrecke,
Und mein eig'ner Hügel einst
Liebestrauer wecke.


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 33



Antonie Brehmer-Gaffron - Die Dämmerstunde sinkt hernieder

Die Dämmerstunde sinkt hernieder,
Und nieder senkt sich in's Gemüt
Erinnerung an einst'ges Träumen,
Wie's oft durch unsre Seele zieht.


Da blickst du wieder auf mich nieder
Mit jenem fragend tiefen Blick —
O, warum blieb das Glück nur Träumen,
Und nur ein Traum mein ganzes Glück. 


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 33



Elisabeth Bobertag - Die Hände der Mutter.

Sie werden deinen Sarges Deckel schließen,
Sie halten ihn erbarmungslos bereit,
Ich will mein Glück zum letztenmal genießen,
Dann lebewohl für diese Erdenzeit!


Das sind die Hände, die mich liebend pflegten,
Sie schaut’ ich oft mit stillem Danke an,
Eh’ noch die meinen sich zur Arbeit regten,
Und eh’ der Kampf des Lebens neu begann;


Sie falteten die meinen zum Gebete,
Eh’ ich des Ew’gen Nähe noch erkannt,
Und während ich des Himmels Schutz erflehte,
Erschienen fromme Engel gottgesandt.


Das Antlitz ist das vor’ge nicht geblieben,
Doch dieses ist die alte, liebe Hand,
Nun lebewohl, ein unverändert Lieben
Begleitet mich durch dieses Erdenland.


Und wenn ein Leiden kommt, wenn das Versenken
In bittern Gram die Seele mir bewegt,
Dann will ich an die treuen Hände denken,
Die segnend oft sich auf mein Haupt gelegt!


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 26.



Olga von Oberkamp - Willi.

Les’ ich, o Weib, in deiner Züge Schrift,
Wie Zauberschrift rührts mich aus alten Mären,
Dein Reiz so süß und doch dein Lächeln Gift,
Unheil dein Blick, Verderben deine Zähren.


Dein Willi-Arm, dein Zauberarm, ich weiß,
Nicht Mensch, noch Gott kann mich daraus erlösen,
Und manche Frauen webt ein Zauberkreis,
Wer den betrat, verfiel der Macht des Bösen.


Sieh dort, durch vieler Jahre tausens seh’
In langem Zug ich sie vorüberwallen,
Eva — Delia hier, dort Bethsabe,
Dann jene, um die Troja einst gefallen.


Und weiter immer wie ich in dem Buch
Der Weltgeschichte Blatt um Blatt auch wende,
Das Weib des Mannes Schicksal und sein Fluch,
Ein dunkler Faden spinnt sich’s bis ans Ende.


Und doch! O Sturm und Drang, o Lieb und Lust,
Sirenensang, wen deine Klänge riefen,
Den lockts, »du mußt,« ruft es ihm zu, »du mußt«
Und jauchzend stürzt er sich in Abgrundstiefen.


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 24 f.



Olga von Oberkamp - Auf der Höhe.

Mir ists, als hätt ich abgestreift
Die Hülle schon, — aus dieser Zeit gerufen,
Als sei ich schon zum Geist gereist
Und stünde auf des Daseins letzten Stufen.


Tief unter mir der Menschheit Thun
Verschwindet ganz in seiner engen Kleinheit,
Es schweigt die Lust, die Schmerzen ruh’n
Und unter geh’ ich in des Weltalls Einheit.


Nicht mehr im Herzen wogt die Glut,
Wie Nebel vor der Sonne fliehn die Lüste.
Die Brandung schweigt der Lebensflut,
Als ob vor Gott der Mensch verstummen müßte.


Wie klein die Lust des Erdenballs!
Erst hier in reinem Licht hab ich s empfunden;
Eins bin ich  mit dem Geist des Alls
Und Frieden hab’ ich nach dem Sturm gefunden.


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 24 f.




Olga von Oberkamp - An Gott.

Ich hab’ dich oft und oft gesucht
In finstern Nächten, bittren Stunden,
Und hab’ geweint und hab’ geflucht,
Geweint — weil ich dich nicht gefunden
Und dann in frevlem Groll und Spott,
In Nacht und Not hinausgestoßen,
Die Faust zum Himmel auf, o Gott,
Hab’ ich geballt zum götterlosen.
Weh mir! Kein Gott, kein Dort? Und hier?
Verloren irr ich hin im Weltgewimmel,
Gib deinen Gott, o Himmel, mir,
O Gottheit, gib mir deinen Himmel!
Vergebner Ruf! Kein Schein des Lichts,
Den ich erseh’; nur Trümmer, Scherben,
Lichtloses Dunkel, leeres Nichts,
Ein ew’ger Schmerz, ein ew’ges Sterben.
Und manchmal nur, da wirft’s mich hin,
Als rüttle der Sturm mein Wesen,
Wie Donner tönts um mich: »Ich  bin,
Bin noch, wenn du schon längst gewesen!«
Und dann verstummt ist Hohn und Spott,
Und auf mein Angesicht gefallen
Nur: »Gott!« das eine Wort nur: »Gott!«
Vermag ich staunend noch zu lallen.


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888,…

Ilse Franke - Dir

Wie lieblich ist mein Los gefallen.
Ich führ mich Weib und selig Kind,
Begnadet vor den Menschen allen,
Die mir gesellt gewesen sind.


So tief und süß sieht nun das Leben
Mit voll erwachtem Blick mich an.
Mich selber hast du mir gegeben
Mit deiner Liebe, liebster Mann.


Mein wunderbunter Sommergarten,
Dir blüht und reift, dir schmückt er sich.
Denn all mein Wachsen war ein Warten
Auf meiner Ernte Herrn, auf dich.


Im Früchtegold, welch heilig Wandern,
Treu Hand in Hand, hinein ins Glück ...
So geben wir den dunklen Andern
Den Abglanz unsres Lichts zurück.


In unsrer Blicke Liebesfülle,
Sieh, spiegelt sich die ganze Welt,
Weil Gottes Auge ohne Hülle
Bis in das tiefste Herz uns fällt.


aus: Ilse Franke, Von beidern Ufern, Neue Gedichte, Verlag von Hüberl & Denck, Leipzig, 1922



Mathilde Berensmann - O komm zu mir

Es rauschet in den grünen Zweigen,
So heimlich flüsternd, froh erregt,
Eröffnet ist der Frühlingsreigen,
Und überall klingts lustgewegt:
O komm zu mir, ich hab' dich lieb,
Vom Herzen lieb!


Die Nachtigall im duft'gen Flieder
Singt ihrer Klage süßes Lied,
Im meinem Herzen hallt es wider,
So sehnsuchtsvoll, so liebdurchglüht:
O komm zu mir, ich hab' dich lieb,
Vom Herzen lieb!


Ach, rings ist alles nur voll Hoffen,
Und Wonne schwellt so manche Brust,
Ruft sie vom höchsten Glück betroffen
Sich der Erfüllung froh bewußt:
O komm zu mir, ich hab' dich lieb,
Vom Herzen lieb!


Nur ich allein muß einsam stehen
Mit meinem Leid, mit meiner Lieb,
Im Winde wird mein Lied verwehen,
Das einzig mir von allem blieb:
O komm zu mir, ich hab' dich lieb,
Vom Herzen lieb!


Vergebens harr' ich süßer Kunde,
Es dringt kein Echo mir zurück,
Und ach, kein Wort aus teurem Munde
Verkündet mir ersehntes Glück:
O komm zu mir, ich hab' dich lieb,
Vom Herzen lieb!


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, H…

Helene Bender - Frühlingsnacht

In des nächt'gen Schleiers Falten
Birgt der Lenz die jungen Glieder,
Dunkelheit und Schweigen halten
Jede Lebensregung nieder.
Durch den Tannenwald, den düstern,
Geht es nur wie leises Träumen
Und die Mondenstrahlen flüstern
Heimlich in den stillen Räumen.


Was der Tag in tausendstimm'gen
Mächtigen Akkorden sprach
Hallt die Nacht in angeriss'nen
Geisterhaften Tönen nach.
Und das Herz in stillem Sinnen
Scheint dem eignen Schlag zu lauschen
Und Erinnerung macht tief innen
Tausend Äolsharfen rauschen.


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 19 f




Helene Bender - Frühlingsmorgen

Lächelnd, träumend, morgenduftumfangen
Ruht die Erde wie ein schlafend Kind —
Erstes Frührot färbt die zarten Wangen,
Weiche Lüfte kosen schmeichelnd lind.
Spielen flüsternd mit der Schläfrin Locken,
Drein der Lenz die ersten Kränze flicht,
Schauern ihr ein Meer von Blütenflocken
Heimlich über Schultern und Gesicht.
Leise regt sie schon die schönen Glieder,
Zögernd schließt die Nacht der Träume Thor,
Von den Bergen sinkt der Nebel nieder,
Flammend steigt im Ost die Sonn empor.
Lauter rauschen Lüfte, Bäume, Quellen —
Jubelhymnen tönt des Sturzbachs Lauf,
Und die Erde schlägt die strahlend hellen
Blütenaugen froh erschrocken auf.


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 19



Ottilie von Below - Morgenlied

Auf, frisch auf, der Hirte ruft,
Auf, frisch auf, frisch auf!
Draußen weht's wie Morgenluft;
Auf, frisch auf, frisch auf!
Sonne blinzelt schon herauf,
Grüßt mit hellem Licht,
Schläfer, thut die Augen auf,
Zaudert länger nicht.


Auf, frisch auf, die Lerche singt,
Auf, frisch auf, frisch auf!
Hoch zum Aether sie sich schwingt,
Auf, frisch auf, frisch auf!
Wies' und Thal enthüllen sich,
Nebelwolken fliehn,
Blütendüfte würziglich
Durch die Lüfte ziehn.


Wer mag da noch schlafend ruh'n!
Auf, frisch auf, frisch auf!
Rege Arbeit, emsig Thun
Winkt und, drum frisch auf!
Ringsum in der ganzen Welt
Klingt ein Morgenlied,
Das dem Schöpfer wohl gefällt,
Aufwärts zu ihm zieht.


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 15 f




Adeline Becker - Das deutsche Volk

Das deutsche Volk

Das deutsche Volk ein freies Volk,
Will fremdes Joch  nicht tragen;
Es setzte Blut und Leben ein,
Sich aus der Knechtschaft zu berei’n —
Wer kann’s in Fesseln schlagen?


Das deutsche Volk ein einig Volk
In allen seinen Gliedern;
Und als Gefahr dem Lade nah’,
Stand wie ein Mann gewappnet da
Ein ganzes Volk von Brüdern.


Das deutsche Volk ein frommes Volk,
Es zog voll Gottvertrauen
Zum Kampf in Feindesland hinaus,
Und sieh’, die Hilfe blieb nicht aus,
Denn frei sind Deutschlands Gauen.


Das deutsche Volk ein tapfres Volk,
Will siegen oder sterben,
Ließ Weib und Kind daheim zurück,
Im heißen Kampfe blüht sein Glück,
Da will es Ruhm erwerben.


Das deutsche Volk ein freies Volk,
Es hat den Feind vernichtet,
Der ihm gedroht mit Schmach und Hohn,
Es hat den deutschen Kaiserthron
Mit Glanz emporgerichtet.


Du deutsches Volk, du freies Volk,
Ich will dir angehören,
Bin stolz darauf, dein Kind zu sein,
Will Treue bis in’s Grab hinein
Mit Herz und Mund dir schwören!


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren D…