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Es werden Posts vom Februar, 2011 angezeigt.

Louise Koch-Schicht - Gärtchen am Fenstersims

Gärtchen am Fenstersims
Großstadthäuser in Reih und Glied
nüchtern, ohne Unterschied,
gleiten vorüber,
Fensteraugen eng und schmal
immer gleiche, hundertmal
querüber.
Trostlos solche Häuserzeilen
gleich und gleich vorübereilen —
Menschenkäfige! muß ich denken
ah! und die Erde hat allen zu schenken!
Da — auf einem Fenstersims
lachend meines tiefen Grimms
blüht ein Gittergärtlein zierlich
rankt manierlich
sich hinauf und noch hinüber.
Vorüber . . . Doch das Grün und farbig Blühen
schien am Grau ein Wunden glühen,
schien ein schmerzgehegter Rest
an die Mauerwand gepreßt —
Menschensehnsucht
traumerwacht, die an verlorne Gärten gedacht . . .


aus: Louise Koch-Schicht, Der treue Buhle, Neue Gedichte, Hans Sachs-Verlag, München und Leipzig, 1913

Felicia Hemans - Landung der Pilgerväter

Wild schlagen die Wellen ans Ufer heran,
Und der Wind peitscht den wogenden Wald;
Da steuern Verbannte im schwankenden Kahn,
Und die Felsen zerschellen ihn bald.


Da öffnet sich ihnen die rettende Bucht,
Und sie landen getrost und voll Mut;
Sie landen, nicht Flüchtlinge scheu auf der Flucht,
Noch Krieger, die dürsten nach Blut.


Ueber’s Meer, durch den Wald  und zum Himmel empor,
Schallt ihr kräftiger froher Gesang.
Da brachen durch’s Dunkel die Sterne hervor,
Das war jeder Pilger Empfang.


Da waren Greise mit schneeweißem Haar,
Da waren Frauen voll Mut;
Was suchte die kleine, die herzhafte Schar?
Begehrte sie irdisches Gut?


O nenn’s ein Geweihtes, ein heiliges Land,
Das die Väter den Enkeln vererbt!
Es bleibe erhalten, was jene Schar fand,
In Freiheit und Recht unverderbt!


aus: Johann Heinrich Stepler, Feldblumen, Cleveland, Ohio, 1899, S. 85