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Else Galen-Gube – Hymen.

Sir Joshua Reynolds – Three Ladies Adorning a Term of Hymen


Hymen



Am Horizont verglimmt des Tages Schein,
der Abend sinkt in satten Farbengluten;
im fernen West will sich der Tag verbluten,
wir beide endlich, endlich ganz allein.


Du schaust mir selig lächelnd ins Gesicht,
an meinen Wimpern siehst du Tränen hangen;
zwei heiße Zähren, die nach Zweifelsbangen
das Glück gebar. O das verstehst du nicht.


Lös nicht den Gürtel jetzt mir vom Gewand,
entweihe nicht die Heiligkeit der Stunde;
dein bin ich, dein aus tiefsten Herzensgrunde –
Komm, leg auf meine Stirn nur deine Hand.


Ich weiß, du hast dich ja nach mir verzehrt,
in wilder Sehnsucht, schweigend, ohne Klagen;
grausam bin ich – und doch, konnt ich denn sagen:
»Dein eigen sei, was du so heiß begehrt?«


Was blickst du so verstört, so starr mich an?
Nichts soll sich zwischen unsre Liebe türmen?
O du – – ich weiß. Du willst den Himmel stürmen ..
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 
So stürm ihn denn, du heißgeliebter Mann.


aus: Else Galen-Gube, Im Bann der Sünde, Gedichte, Thomas & Oppermann, (Ferd. Beyers Buchhandlung), Königsberg i. Pr., 1905.

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Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
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Sophie Jacot des Combes - Zeit

Zeit.

Zeit fliesst wie ein Strom,
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Schneller und schneller
hastet er dahin,
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zu sich hinab.


Schon netzt er kühl
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harren wir einer Welle,
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Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

Vollmondnacht! Von allen Hügeln
Nieselt’s silberblau in’s Meer,
Auf des Südwind’s trägen Flügeln
Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


Wund mein Herz .... der Wogen Rauschen
Scheucht die Ruh’ von meinem Pfühl –
Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87