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Es werden Posts vom April, 2011 angezeigt.

Amalie Senninger - Lenzbauern Sepp’s Abschied (August 1914)

Lenzbauern Sepp’s Abschied (August 1914).
Du liabs kloans Häuserl,
Ihr Bamerl rundum,
Ihr Gockerl, ihr Henderl,
Was seidst denn so stumm?
Ihr Täuberl am Dacherl,
Geh, redst do mit mir!
Mei Herz is so trauri,
Is gar nimmer hier!

            Der Kaiser, der braucht mi,
            Dös woaß i schon gwiß,
            Der braucht meine Faust,
            Will er nei nach Paris.
Muata, pfüat Gott!
In der weißputzt’n Stubn
Tauchts no amal d’Finger
Im Weihbrunn herum.
Machts Kreuzerl aufs Hirn mir
Und oans auf die Brust;
Daß i no kunt woana,
Hab i schier nimmer gwußt!
            Der Kaiser, der braucht mi,
            Dös woaß i schon gwiß,
            Der braucht feste Schädel,
            Will er nei nach Paris.
Und pfüat di Gott, Nannerl,
So sauber, so rund,
Koa anderes Goscherl
Küßt jemals mei Mund.
Is der Kaiser erst firti
Mit’n Kriag, wirst mei Wei,
Und bin i a a Krüppl,
G’heirat wird glei!
            Aber z’erst braucht mi der Kaiser,
            Dös woaß i ganz gwiß,
            Denn a boarische Hax’n
            Span…

Hedwig von Olfers - An ein paar Augen

An ein paar Augen.
Wie süß aus Nacht und trübem Wahn
In Deinen Glanz zu schauen,
Ich mag der Sterne sichrer Bahn
Nicht mehr als Dir vertrauen,

Sie stehn in Seligkeit für sich
Und mögen wohl nicht weinen,
Du lächelst mir und weinst um mich,
Kannst auch durch Thränen scheinen.
Dürft' ich die Welt in Deinem Licht
Und nicht in meinem sehen,
Da mühte ich zu Zeiten nicht
Mit Furcht und Unmuth gehen.
Da wäre mir der Tag nicht schwül,
Gewiß, bei Dir ist Frieden.
Du blickst so ruhig, tief und kühl,
Als lockt ein Grab den Müden.
Ich schliefe unter Lilien ein,
Verträumte Schuld und Trauer,
Nnd wachte aus im Himmelsschein,
Kein Himmel lächelt blauer.
Wohl mir, wenn ich Dich ganz erhellt
Für immer finden werde —
Bald weicht, was sich dazwischen stellt,
Der Schatten dieser Erde.
aus: Hedwig von Olfers, Gedichte, Verlag von Wilhelm Hertz, Berlin, 1892


Wilhelmine Funke - Der Kuß

Der Kuß.
Schwebe, Vöglein, schweb' empor,
Auf zum Himmel singe.
Diesen Kuß — ach sei kein Tor —
Nimm auf deine Schwinge.


Ihm, dem kleinen Sternenwicht,
Der so listig blinket,
Gib ihn. Siehst ihn jetzo nicht?
Weißt doch, wo er winket.


Hat nur vor Frau Sonne sich
Ahnungsvoll verkrochen,
Weil sie so gar mütterlich
Streng mit ihm gesprochen.


Aber wird es abendstill,
Lugt aus dem Verstecke
Gleich der Schelm, tut, was er will,
Still in seiner Ecke.


Wirft den Kuß dem Liebsten mein
Glitzernd schnell hernieder,
Blickt ihm nach: fängt er ihn ein?
Kommt wohl einer wieder?


aus: Wilhelmine Funke, Gedichte, Fritz Eckhardt Verlag, Leipzig



Marie Rudofsky - Ostern

Ostern.
Noch bläst es scharf vom Bergwaldkamm,
Wenn abendlich die Sonne scheidet;
Die tiefversteckte steile Klamm
Liegt windverweht in Schnee gekleidet.


Noch steht die weite Flur so kahl,
Wie in des Winters dunklen Tagen,
Und aus dem Bach im Wiesental
Nur scheue Weidenkätzchen ragen.


Und dennoch naht, du ahnst es kaum,
Auf weichen, bunten Falterflügeln
Der alte Auferstehungstraum
Und läßt nicht hemmen sich, nicht zügeln.


Er schwirrt mit Zaubermacht und Pracht
Durch Feld und Au und Waldesengen,
Und über Nacht ist froh erwacht:
Ein Keimen, Sprudeln, Leben, Drängen.


Leicht schmilzt des Winters letzter Rest,
Die Erde taut aus harten Schollen;
Sie rüstet sich zum Frühlingsfest —
Ein neuer Segen ist erquollen.


Und neues Hoffen sproßt und schwillt
Im qualerstarrten Menschenherzen;
Mit wehmutsvollem Trost gestillt,
Ruh’n ausgesöhnt bezwung’ne Schmerzen.


Der frohe Osterglockenklang
Hell übertönt die dumpfen Klagen,
Es will beim Allelujasang
Ein lichtes, freies Werden tagen.


Es will in jeder deutschen Brust
Die Hoffnung tie…

Marie Rudofsky - Gut und Blut für’s Vaterland

Gut und Blut für’s Vaterland.
Österreich braucht Helden —. Freiwillige vor!
Schon drängen sich Tausende stürmisch durch’s Tor.
»Da sind wir, nimm hin Blut und Leben und Kraft« —.
Und werden Armeen vom Tode gerafft,
Neu steht auf dem Felde, das blutig noch dampft,
Ein freiwillig Heer aus dem Boden gestampft.


Österreich braucht Reichtum —. Goldschätze herbei —!
Wir ringen von Geld und Geschmeiden uns frei.
»Hier bringen wir freudig den glitzernden Tand,
Und brauchst du noch mehr, — lieb Vaterland,
Befiehl nur, kein Goldstück bleibt säumig zurück,
Erkaufen mir Freiheit dir, Frieden und Glück.«


Österreich braucht Liebe —. Tut Herzen euch auf,
Dem Blut und dem Golde fügt Liebe zu Hauf!
»So nimm unsre Herzen, sie schlagen nur dir,
Wir fühlen und hegen die eine Begier:
Mit dir nur, mein Öst’reich in Ehren besteh’n
Mit dir — — — nein, du wirst niemals untergeh’n.«

copyright 2011 Susanna und Ulrich Rudofsky aus: Marie Rudofsky, Schulter an Schulter, Kriegsgedichte, J. G. Calve'sche k. und k. Hof- und Universi…

Amalie Senninger - Sonnen-Untergang

Sonnen-Untergang.

Das ist ein königliches Sonnenscheiden,
Ihr stolzes Sinken in die Felsenbrust,
Das ist ein Jubelhymnus fern von Leiden,
Das ist, wie wenn nach höchster Erdenlust

Im Liebeskusse sich zwei Menschen trennen,
Auf ihren Wangen noch des Feuers Schein,
In ihren Augen noch dasselbe Sehnen
Wie auf dem rötlich flammenden Gestein.


aus: Amalie Senninger, Gedichte, Staufen-Verlag, Bad Reichenhall, 1913

Marie Rudofsky - Frisch aufgewacht!

Frisch aufgewacht!
Mein Österreich, frisch aufgewacht!
Du lagst zu lang in Träumen.
Der Morgen loht, vorbei die Nacht,
Nicht länger darfst du säumen.
Spring auf! Es will für Seel’ und Leib
Die faule Ruh’ nicht taugen,
Drum spute dich geschwind und reib
Den Schlaf dir aus den Augen.
Schau, wie von allen Seiten dich
Die Feinde wild umringen
Und bis vom fernsten Himmelsstrich
Das Schwert zum Morde schwingen.
Reiß auch das deine spitz und scharf
Im Zorn aus der Scheide,
Ein Schwert so blank wie deines darf
Nicht zittern vor dem Neide.
Denn Neid nur ist und schwarzer Geiz
In’s Nachbarherz gekrochen,
Weil deines Landes milder Reiz
Die Räuberbrust bestochen.
Wie das den Feind in’s Auge brennt!
Es grünen deine Fluren,
Der Handel blüht, das Stahlroß rennt
Auf segensreichen Spuren.
Mein Österreich, jetzt ward es Licht
Es schwand der Traumnacht Dunkel,
Vor deinem friedlichen Gesicht
Blitzt Stahl und Schwertgefunkel.
Spring auf und schütz’ dein Eigentum
Vor roher Feindmacht Schergen.
Du darfst jetzt ohne Sieg und Ruhm
Dein Schl…

Elisabeth Oakes-Smith – Eros und Anteros

Eros und Anteros
Man sagt, daß Psyche einst zur Nacht
    Kupido schlummern sah;
Still lag der Schalk voll Liebespracht,
    Und bebend trat sie nah.
Doch er, geblendet durch den Schein
    Des Lichts am Lager dort,
Floh, wie vor sünd’gen Melodein,
    Von Psyche’s Seite fort.


O, schlecht die Fabel, falsch das Lied! –
    Voll Trauer Psyche stand,
Bewusst, daß Amor nicht entflieht,
    Wenn je ihr Blick ihn fand.
Verwechselt hatte sie beim Spähn
    Den Gott der heil’gen Triebe;
Nicht Eros war’s – sein Bruder, den
    Sie fand: – den Schein der Liebe!


aus: Lieder- und Balladenbuch amerikanischer und englischer Dichter der Gegenwart, Herausgegeben und übertragen von Adolf Strothmann, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1862