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Marie Rudofsky - Frisch aufgewacht!

Franz Joseph I.



Frisch aufgewacht!

Mein Österreich, frisch aufgewacht!
Du lagst zu lang in Träumen.
Der Morgen loht, vorbei die Nacht,
Nicht länger darfst du säumen.
Spring auf! Es will für Seel’ und Leib
Die faule Ruh’ nicht taugen,
Drum spute dich geschwind und reib
Den Schlaf dir aus den Augen.

Schau, wie von allen Seiten dich
Die Feinde wild umringen
Und bis vom fernsten Himmelsstrich
Das Schwert zum Morde schwingen.
Reiß auch das deine spitz und scharf
Im Zorn aus der Scheide,
Ein Schwert so blank wie deines darf
Nicht zittern vor dem Neide.

Denn Neid nur ist und schwarzer Geiz
In’s Nachbarherz gekrochen,
Weil deines Landes milder Reiz
Die Räuberbrust bestochen.
Wie das den Feind in’s Auge brennt!
Es grünen deine Fluren,
Der Handel blüht, das Stahlroß rennt
Auf segensreichen Spuren.

Mein Österreich, jetzt ward es Licht
Es schwand der Traumnacht Dunkel,
Vor deinem friedlichen Gesicht
Blitzt Stahl und Schwertgefunkel.
Spring auf und schütz’ dein Eigentum
Vor roher Feindmacht Schergen.
Du darfst jetzt ohne Sieg und Ruhm
Dein Schlachtschwert nimmer bergen.

copyright 2011 Susanna und Ulrich Rudofsky

aus: Marie Rudofsky, Schulter an Schulter, Kriegsgedichte, J. G. Calve'sche k. und k. Hof- und Universitätsbuchhandlung (Robert Lerche), Prag, 1915 

Patriotisch-österreichische Kriegsgedichte, die seiner Zeit recht erfolgreich waren und dann schnell vergessen wurden - mit freundlicher Genehmigung der UrheberrechtinhaberInnen.




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Sophie Jacot des Combes - Zeit

Zeit.

Zeit fliesst wie ein Strom,
in den wir greifen;
wir spüren ihn fliehn
und halten ihn nicht.


Schneller und schneller
hastet er dahin,
zieht uns tief
zu sich hinab.


Schon netzt er kühl
unsere Stirnen. Gebeugt
harren wir einer Welle,
die uns umfasst.




Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
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Vollmondnacht! Von allen Hügeln
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Auf des Südwind’s trägen Flügeln
Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


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Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


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Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87