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Marie Rudofsky - Gut und Blut für’s Vaterland

Marie Rudofsky trug diesen eisernen Ring, den sie gegen einen Goldring (Ehering?)
eingetauscht hatte - später in Rotgold gefaßt - Dank an Ulrich Rudofsky
Gold gab ich für Eisen 1914



Gut und Blut für’s Vaterland.

Österreich braucht Helden —. Freiwillige vor!
Schon drängen sich Tausende stürmisch durch’s Tor.
»Da sind wir, nimm hin Blut und Leben und Kraft« —.
Und werden Armeen vom Tode gerafft,
Neu steht auf dem Felde, das blutig noch dampft,
Ein freiwillig Heer aus dem Boden gestampft.


Österreich braucht Reichtum —. Goldschätze herbei —!
Wir ringen von Geld und Geschmeiden uns frei.
»Hier bringen wir freudig den glitzernden Tand,
Und brauchst du noch mehr, — lieb Vaterland,
Befiehl nur, kein Goldstück bleibt säumig zurück,
Erkaufen mir Freiheit dir, Frieden und Glück.«


Österreich braucht Liebe —. Tut Herzen euch auf,
Dem Blut und dem Golde fügt Liebe zu Hauf!
»So nimm unsre Herzen, sie schlagen nur dir,
Wir fühlen und hegen die eine Begier:
Mit dir nur, mein Öst’reich in Ehren besteh’n
Mit dir — — — nein, du wirst niemals untergeh’n.«

copyright 2011 Susanna und Ulrich Rudofsky
aus: Marie Rudofsky, Schulter an Schulter, Kriegsgedichte, J. G. Calve'sche k. und k. Hof- und Universitätsbuchhandlung (Robert Lerche), Prag, 1915 

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Sophie Jacot des Combes - Zeit

Zeit.

Zeit fliesst wie ein Strom,
in den wir greifen;
wir spüren ihn fliehn
und halten ihn nicht.


Schneller und schneller
hastet er dahin,
zieht uns tief
zu sich hinab.


Schon netzt er kühl
unsere Stirnen. Gebeugt
harren wir einer Welle,
die uns umfasst.




Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
Daß sie mich tragen, ihre Königin!
Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
Kühn lebt mein Heute, müde schläft mein Gestern —
Mich trennen Welten jetzt von meinen Schwestern!

Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
Ich sehne mich nach einem wilden Sehnen,
Ich sehne mich nach schw…

Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

Vollmondnacht! Von allen Hügeln
Nieselt’s silberblau in’s Meer,
Auf des Südwind’s trägen Flügeln
Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


Wund mein Herz .... der Wogen Rauschen
Scheucht die Ruh’ von meinem Pfühl –
Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87