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Wilhelmine Funke - Der Kuß

Francesco Hayez - Der Kuß



Der Kuß.

Schwebe, Vöglein, schweb' empor,
Auf zum Himmel singe.
Diesen Kuß — ach sei kein Tor —
Nimm auf deine Schwinge.


Ihm, dem kleinen Sternenwicht,
Der so listig blinket,
Gib ihn. Siehst ihn jetzo nicht?
Weißt doch, wo er winket.


Hat nur vor Frau Sonne sich
Ahnungsvoll verkrochen,
Weil sie so gar mütterlich
Streng mit ihm gesprochen.


Aber wird es abendstill,
Lugt aus dem Verstecke
Gleich der Schelm, tut, was er will,
Still in seiner Ecke.


Wirft den Kuß dem Liebsten mein
Glitzernd schnell hernieder,
Blickt ihm nach: fängt er ihn ein?
Kommt wohl einer wieder?


aus: Wilhelmine Funke, Gedichte, Fritz Eckhardt Verlag, Leipzig



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Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
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Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
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Sophie Jacot des Combes - Zeit

Zeit.

Zeit fliesst wie ein Strom,
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Schneller und schneller
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Schon netzt er kühl
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harren wir einer Welle,
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Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

Vollmondnacht! Von allen Hügeln
Nieselt’s silberblau in’s Meer,
Auf des Südwind’s trägen Flügeln
Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


Wund mein Herz .... der Wogen Rauschen
Scheucht die Ruh’ von meinem Pfühl –
Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87