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Ilse Franke-Oehl - Nero

Denar des Nero



NERO

Ihr Puppen seid schal
Wie stinkend Wasser.
Ihr ekelt mich.
Ich selbst bin ein blasser
Leichnam meiner Jugend,
Fahl
Von Haß.
Nur das Mal
Auf meiner Stirn,
Das der Kronreif preßte,
Flammt röter.


Ich gierte nach Fleisch,
Nach schwellendem, weichen.
Ich durfte alles nehmen.
Vor meinem Herrensinn
Wurde die Unschuld
Zum Schemen
Und schmolz dahin
Wie Schnee vor der Sonne.


Ich ging über Leichen.
Mein Durst war wild.
Ich tauchte die ganze Stadt in Blut,
Ich tauchte das Land in Feuersglut.
Mein Durst ward nicht gestillt.

Nur eins gilt
Und steht mir noch an,
Was ich nimmer erjage,
Was keiner von Euch Laffen kann:
Ich möchte dienen
Wie ein Mann,
Mit stolzer Demut
Und freien Mienen,
Einem Herrn wie ich
Und dann
Sterben.



aus: Ilse Franke, Von beiden Ufern, Verlag von Hübel & Denck, Leipzig, 1922


Ilse Franke, Von beiden Ufern als pdf bei ngiyaw eBooks
Digitalisat der Vorlage vorhanden

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Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
Daß sie mich tragen, ihre Königin!
Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
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Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
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Ich sehne mich nach schw…

Sophie Jacot des Combes - Zeit

Zeit.

Zeit fliesst wie ein Strom,
in den wir greifen;
wir spüren ihn fliehn
und halten ihn nicht.


Schneller und schneller
hastet er dahin,
zieht uns tief
zu sich hinab.


Schon netzt er kühl
unsere Stirnen. Gebeugt
harren wir einer Welle,
die uns umfasst.




Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

Vollmondnacht! Von allen Hügeln
Nieselt’s silberblau in’s Meer,
Auf des Südwind’s trägen Flügeln
Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


Wund mein Herz .... der Wogen Rauschen
Scheucht die Ruh’ von meinem Pfühl –
Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87