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Es werden Posts vom Januar, 2012 angezeigt.

Georgine Wrba - Des Weibes Fluch — oder — Der Sieg des Glaubens

Des Weibes Fluch — oder — Der Sieg des Glaubens.
Einst lebte ein Mann im Ungarland Als Meister Szomory wohlbekannt. Er wohnte in einem schönen Palast Und lebte dem Glück ohn’ Ruh und Rast. Das könnt’ er ohne Müh’ erringen Mit ganz geheimnisvollen Dingen. Dem Teufel — so sagten sich alle Leut’ — Sei er verschrieben in Ewigkeit . . . Und was er sich wünschte und was er begehrt’, Ward gleich ihm vom bösen Geist beschert, Er schwelgte in Reichtum und hielt viel Gesind; Mit Satans Hilfe gebot er dem Wind Und machte, wo immer er war bekannt, Der frommen Ehre zu Spott und Schand. Doch von den herrlichsten Genüssen Glaubt’ er einen noch zu missen. Er rief, kraft seiner dunklen Macht, Sich den Satan her bei Nacht, Tat kund ihm eine neue Bitte In seiner altgewohnten Sitte. »Hör mich,« sprach er zu dem Geist, »Was heute mich dich rufen heißt! Du hast mir im Leben schon viel gegeben. <

Georgine Wrba - Großstadtelend

Großstadtelend.
Rauschend wogt im Sonntagsstaat die Menge. Fast scheint den Vielen der Raum zu enge, Die da wandeln mit froher Geberde, Denen das Schicksal noch Lust bescherte. Da rauscht’s vorbei in weicher Seide, Da funkeln und glitzern die Geschmeide, Als sei die Welt allein voll eit’ler Lust. Seid ihr Menschen des Leid’s euch nicht bewußt, Das noch lebt neben all eurer Pracht? Umhüllt nicht so manchen des Unglücks Nacht? — Sie achten’s nicht, die Ritter der Freude, Da ihnen ’s Leben nicht Dornen streute. Auf und nieder strömen die Gestalten, Düfte wehen aus den bunten Falten Und edles ringsum ist Frohsinn und Glanz, Es strahlet keck der Reichen Eleganz. Sie dröhnen der Freude wie sie’s gewohnt Und sehen nicht, daß unweit Armut wohnt. Da kauert an rauhem und kaltem Stein Ein armer Mann mit verkrümmtem Gebein. Halb nur beschuht ist sein zitternder Fuß, Doch sein Gesicht ist noch frei von Verdruß. Und doch ist noch schwerer er geschlagen, Muß einen Höcker am Rüc

Georgine Wrba - Ein bischen Sonne

Ein bischen Sonne.
Zu eng war mir das niedre Dach, Zu klein die alte Waldeshütte Zu einsam schien mir mein Gemach, Ich fühlte es bei jedem Schritte. Trübe ging ich ein und aus Ein bischen Sonne aufzufangen — Noch trüber kehrt ich stets nach Haus, Im Schatten bin ich nur gegangen. Die hohen Bäume ohne Zahl Hielten fern der Sonne Gluten, Sie zog vorüber jedesmal, Mocht’ auch mein Sehnen überfluten. Da schlich ich selbst nach Wärme aus, Mein Leben heller zu gestalten, Verließ ohn’ Gram das stille Haus, Das mich solange festgehalten. — Schnell stand ich in der großen Welt, Die Sonne schien mir in den Rücken; Ein buntes, wogendes, wirbelndes Feld Weitete sich meinen Blicken. Viel Geräusch und der Menschen viel, Ein ständig wechselndes, schenkendes Leben. Ich fand es so, wie mir’s gefiel Und ging dahin, ihm froh ergeben. —