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Eleonore Kalkowska - Als jäh der Blitz in meine Krone fuhr

Eleonore Kalkowska


Als jäh der Blitz in meine Krone fuhr,
Da fielen von mir alle Blätter, Blumen,
Wie bei der Schur
Von dem betroffenen und entsetzten Lamm,
Der weißen Wolle leichte Wolkenkrumen.
Ich ward ein ausgebrannt, gehöhlter Stamm.
Nicht mehr. Und Tropfen quollen auf, benetzten
Den Schaft, den tief in seinem Mark verletzten.


Doch in mir branntʼ noch das Gefühl der Leere.
Da sich ich um mich. Und da war manch Leid,
Das irrtʼ umher und trug ein heiß Begehren
Nach Unterschlupf. So öffnetʼ ich mich weit,
Und höhltʼ mich mehr noch aus zur bloßen Rinde,
Daß alles Leid in mir die Heimat finde.


So gingen in mich ein Leid, Schmerz und Grauen
Und Tränenflut von viel Millionen Frauen
Und bleichen Munds gestammeltes Brevier;
Ich ward das Ohr und ward der Herold-Rufer,
Ich ward das Flußbett, und ich ward die Ufer
Des Geistes und des Stromes: Wir.


Schwill auf, schwill auf, mein Strom, und künde
Dein brausend Lied. Mit deinem breiten Lauf
Befruchte die verdorrten Seelengründe,
Nimm Tränen auf, nimm Qual und Kampf und Leid –
Und münde
Sie alle, alle in die Ewigkeit.


Aus: Eleonore Kalkowska, Der Rauch des Opfers, Ein Frauenbuch zum Kriege,
Erstes und zweites Tausend, Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena, 1916



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Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
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Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
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Sophie Jacot des Combes - Zeit

Zeit.

Zeit fliesst wie ein Strom,
in den wir greifen;
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Schneller und schneller
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Schon netzt er kühl
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harren wir einer Welle,
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Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

Vollmondnacht! Von allen Hügeln
Nieselt’s silberblau in’s Meer,
Auf des Südwind’s trägen Flügeln
Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


Wund mein Herz .... der Wogen Rauschen
Scheucht die Ruh’ von meinem Pfühl –
Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87