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Ilse von Stach - Das Märchen am Rhein

August Macke - Am Rhein bei Hersel 

Das Märchen am Rhein



Nebelschleier decken sanft die Wogen,
Ruhig fließt des Rheines grüne Flut,
Und am hohen, fernen Himmelsbogen
Strahlt der Sonne letzte Feuerglut.


Nebelschleier hüllen Fels und Auen
In ihr geisterhaftes, bleiches Kleid;
Aus der Abenddämmerung, der grauen,
Steigt ein Bild aus längst vergessʼner Zeit.


Brausend teilen sich des Rheines Wellen,
Aus den Fluten steigt, mit Schwert und Kronʼ,
Mit dem herrlich goldʼnen Schild, dem hellen,
Auf des Rheines junger Königssohn.


Blitzend ist sein Augʼ, wie Feuergluten,
Und sein Haar erglänzt wie lauter Licht,
— Kühl und gleitend sind des Rheines Fluten,
Eine Menschenseele hat er nicht.


Einsam dort im Boote auf dem Rheine
Steht die Jungfrau, stumm und totenbleich,
Nur ihr Auge strahlt im Abendscheine,
Einem Funken roten Feuers gleich:


»Weibesliebe kannst Du nicht ergründen,
Eines Weibes Opfer kennst Du nicht,
Doch auch Du wirst eine Seele finden,
Wenn für Dich mein Herz im Tode bricht.


Und zum klaren Abendstern, dem hellen,
Hebt sie leuchtend den verzückten Blick —
Brausend teilen sich des Rheines Wellen,
Und ein leerer Nachen kehrt zurück. —


— Nebelschleier decken sanft die Wogen,
Ruhig fließt des Rheines grüne Flut,
Und am hohen, fernen Himmelsbogen
Strahlt der Sonne letzte Feuerglut.


Aus: Ilse Stach von Goltzheim, Wer kann dafür, daß seines Frühlings Lüfte weh'n!, E. Pierson's Verlag, Dresden und Leipzig, 1898




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Sophie Jacot des Combes - Zeit

Zeit.

Zeit fliesst wie ein Strom,
in den wir greifen;
wir spüren ihn fliehn
und halten ihn nicht.


Schneller und schneller
hastet er dahin,
zieht uns tief
zu sich hinab.


Schon netzt er kühl
unsere Stirnen. Gebeugt
harren wir einer Welle,
die uns umfasst.




Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
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Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

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Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


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Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


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Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87