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Margarete Beutler - Und doch

Caspar David Friedrich - Schwäne im Schilf beim ersten Morgenrot


Und doch . . .

Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
Daß sie mich tragen, ihre Königin!
Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.


Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
Kühn lebt mein Heute, müde schläft mein Gestern —
Mich trennen Welten jetzt von meinen Schwestern!


Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
Ich sehne mich nach einem wilden Sehnen,
Ich sehne mich nach schwachen Mädchenthränen,
Ich sehne mich nach roten Sonnenküssen —
Und weiß, mein Leib wird daran welken müssen . . .


Es wird ein Schatten in mein Dasein treten,
Der Schatten weiß von weiten Königsrechten,
Der Schatten wird sich um mein Dasein flechten,
Der Schatten wird mir Leib und Seele knechten,
Und meine Sinne werden zu ihm beten,
Und meine Seele wird ihn herrschen lassen —
Doch meine arme Seele wird ihn hassen.


Aus:  Das Buch der Sehnsucht, Eine Sammlung deutscher Frauendichtung von Paul Remer, Schuster & Loeffler Verlag, Berlin und Leipzig, 1900
Abb.: Caspar David Friedrich - Schwäne im Schilf beim ersten Morgenrot
copyright 2013 RechtsnachfolgerInnen von Margarete Beutler
Mit freundlicher Genehmigung der RechteinhaberInnen




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Sophie Jacot des Combes - Zeit

Zeit.

Zeit fliesst wie ein Strom,
in den wir greifen;
wir spüren ihn fliehn
und halten ihn nicht.


Schneller und schneller
hastet er dahin,
zieht uns tief
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Schon netzt er kühl
unsere Stirnen. Gebeugt
harren wir einer Welle,
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Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

Vollmondnacht! Von allen Hügeln
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Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


Wund mein Herz .... der Wogen Rauschen
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Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87