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Julia Virginia - An Maria Bashkirtseff

Marie Bashkirtseff
An Maria Bashkirtseff.

Ich liebe dich, du heisse Slavin, 
In deiner Schwäche, deiner Kraft, 
In deiner Sinne Lebensfieber — 
Im Zauber deiner Mädchenschaft!

Dich, du Vestalin alles Schönen,
Die du — von heil’ger Glut entfacht —
Auf unsrer Gottheit Hochaltare
Dein warmes Herzblut dargebracht.

Ich liebe dich, du Dorngekrönte, 
In deinen Schmerzen, deiner Qual, 
In deiner wilden Ruhmbegierde 
Mit ihren Wünschen sonder Zahl! 

Die deinen zarten, weissen Busen 
Erdrückten fast mit ihrer Wucht. 
O blonde Blume, bald entblättert, 
Märtyrerin der Höhensucht! 

Die du dich selbst ans Kreuz geschlagen, 
Ans blut’ge, heissgeliebte Kreuz — 
Hinweggerafft, eh’ du genossen 
Der Lebensschale höchsten Reiz! 

Ich liebe dich, du Starke, Stolze,
In deiner Seele Wahrheitdrang,
Der dich — entzügelt von Dämonen —
Dein Tiefstes blosszulegen zwang.

Und all die Glut, die wildverzehrend 
Dich einst durchloht, du heisses Weib, 
Sie lodert auch in meinen Adern; 
Sie sehrt auch meinen jungen Leib, 

Ein Feuerfunke deines Wesens 
In mir auch glühend, sprühend kreist: 
Denn ich bin Herz von deinem Herzen, 
Denn ich bin Geist von deinem Geist! 

Aus: Sturm und Stern, Gedichte von Julia Virginia, Verlegt bei Schuster & Loeffler, Berlin und Leipzig, 1905

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Sophie Jacot des Combes - Zeit

Zeit.

Zeit fliesst wie ein Strom,
in den wir greifen;
wir spüren ihn fliehn
und halten ihn nicht.


Schneller und schneller
hastet er dahin,
zieht uns tief
zu sich hinab.


Schon netzt er kühl
unsere Stirnen. Gebeugt
harren wir einer Welle,
die uns umfasst.




Aus: Sophie Jacot des Combes,Gedichte und Variationen, Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1922




Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
Daß sie mich tragen, ihre Königin!
Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
Kühn lebt mein Heute, müde schläft mein Gestern —
Mich trennen Welten jetzt von meinen Schwestern!

Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
Ich sehne mich nach einem wilden Sehnen,
Ich sehne mich nach schw…

Johanne Juliane Schubert - Dort erst ist vollkommne Freundschaft

Dort erst ist vollkommne Freundschaft.


Ach, es ist hienieden
Kein vollkommnes Glück!
Frohe Stunden trübet
Oft ein Augenblick.


Wahre Freundschaft schwindet
Immer mehr und mehr;
Edle Seelen sehnen
Sich umsonst nach ihr.


Stolz und Leichtsinn schleichen
Unvermerkt sich ein:
Dieser edlen Tugend
Freuden zu entweihn.


Neid und Mißgunst trennen
Oft das schönste Band,
Das die Freundschaft knüpfte
An der Tugend Hand.


Edler Wunsch nach Freundschaft!
Wenn wirst du erfüllt?
Und o stilles Sehnen!
Völlig mir gestillt?


Dort in jenem Lande
Der Vollkommenheit
Wirds einst besser werden,
Dort ist Seligkeit.


Dort, wo höh're Wesen
Sich der Freundschaft weihn
Werd auch ich einst ewig
Ihres Glücks mich freun.


Dort, wird nie ein Stöhrer
Sel'ger Freundschaft seyn!
Und zum Himmel gehet
Nicht der Leichtsinn ein.



Dort erst ist der Freundschaft
Wahres Vaterland,
Dort erst wird die Größe
Ihres Werths bekannt.


Sei getrost, o Seele!
Unter Spott und Neid:
Einst wirds besser werden
In der Ewigkeit!


aus: Gedichte der Webers-Frau Johanne Juliane Schubert…