Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom Mai, 2014 angezeigt.

Johanna Beckmann - Hexen-Schuß

Hexen-Schuß

An der grünenden Linden
War er zu Haus.
Das Glück wollt' er finden
Und wanderte aus.

Unter'm Hexen-Besen-Baum
Tief im tiefem Tann —
Betet er, man glaubt es kaum,
Eine Hexe an.

Aber Hexlein in Eile
Vom Fingerhut
Zupfte sich Pfeile
Und zielte gut.

Es tat den Schuß,
Und zum Beschluß
Da hatte er
Den Hexen-schuß.

Aus: Johanna Beckmann, Vom Zufrieden-Werden, München, Rösl und Cie. 1921



Johanna Beckmann - Die sterbende Geduld

Die sterbende Geduld

Ich  ging in Liebe und Leid den Weg.
Wieder und wieder fragt ich um Ruh
Viel hundertmal.
Keiner hatte Erbarmen.

Leben du —
Warum quälst du die Seele zu Tod
Jeden Tag, jede Nacht —
Und senktest so tief
Ein warm Verlangen
Wie träumenden Samen
Fragend still
In der Seele Tiefen?

Ich habe gewollt,
Es war zu schwer.
Laß mich sterben!
Ich kann nicht mehr.

Aus: Johanna Beckmann, Traum und Tat, Gedanken und Schattenbilder, Rösl und Cie., München, o. J.