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Sophie Verena – Stille Liebe

Stille Liebe


Wär' ich ein Mann! – ich müßte sie erringen,
     Sie, die mein Herz erwählt, sie würde mein,
     Ich würde alles Hemmende bezwingen,
     Ich würd' ein Held für meine Liebe sein.
Mit starkem Arm teilt' ich des Lebens Wogen,
     Erwürbe Ansehn, Ruhm und Reichtum mir,
     Und hätt' ich dann das goldne Netz gezogen,
     Legt ich die Schätze all' zu Füßen ihr.
Ich wollte stets mit Liebe sie umgeben,
     Ich schaffte ihr den schönsten eignen Herd,
     Ich böte ihr solch volles, reiches Leben,
     Wie's wen'gen Sterblichen noch ward beschert.
Wär' ich ein Mann, da gäb's kein Unterliegen,
     Mit einer solchen Liebe muß man siegen.


Ich bin ein Weib! – und mit gebundnen Händen
     Kann für mein Lieben ich nicht kämpfen, wagen,
     Darf keinen Strahl aus meinem Herzen senden,
     Ihm, was so lang dort lebt und glüht, zu sagen.
Und seh' ich ihn, so darf das Hochentzücken
     Doch nimmermehr aus meinen Augen leuchten,
     Oft will das Herz vor heißem Weh ersticken,
     Doch keine Thräne darf die Wimper feuchten.
Wohl gilt ihm nichts mein Lieben und mein Leben,
     Doch könnte das ihm Erdenglück erwerben:
     Ich wollte tropfenweis mein Herzblut geben,
     Mir wär es Seligkeit, für ihn zu sterben.
Ich bin ein Weib! – was ist mir denn geblieben?
     Nichts als ihn lieben, still, doch ewig lieben.

Sophie Alberti (geb. Mödinger) Pseud. Sophie Verena (5. August 1826, Potsdam – 15. August 1892, Potsdam)

Abbildung: copyright Harald Reiter

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Johanna Beckmann - Die sterbende Geduld

Die sterbende Geduld

Ich  ging in Liebe und Leid den Weg.
Wieder und wieder fragt ich um Ruh
Viel hundertmal.
Keiner hatte Erbarmen.

Leben du —
Warum quälst du die Seele zu Tod
Jeden Tag, jede Nacht —
Und senktest so tief
Ein warm Verlangen
Wie träumenden Samen
Fragend still
In der Seele Tiefen?

Ich habe gewollt,
Es war zu schwer.
Laß mich sterben!
Ich kann nicht mehr.

Aus: Johanna Beckmann, Traum und Tat, Gedanken und Schattenbilder, Rösl und Cie., München, o. J.



Herta Graf - Venedig

Venedig

Im Salzhauch der Winde zerbröckeln
die Spitzengewirke aus Stein,
mit denen die Serenissima
sich schmückte, als ihre Galeassen
unter San Marcos
rotgoldenem Löwenbanner
die Adria beherrschten;


noch immer voll Grazie
wiegt sich der Totentanz
der Paläste und Kirchen
am Kanal Grande,
dunkel widerspiegelnd den Abglanz
vergangener, ruhmreicher Tage;


unruhvoll bebt die Lagune
im Pulsschlag des Meeres,
von Marghera vergiftet
bis ins Mark;


o sterbende Stadt,
die schönste der Erde;
der Mensch aber sucht Kontakt
zu fernen Planeten.




Aus: Labile Harmonien. Schwäbisch Gmünd: Einhorn-Verlag 1994, S. 23. In den Band aufgenommen wurden 50 Gedichte, die aufgrund einer 1993 erfolgten Ausschreibung aus 327 Eingesandten von einer Jury ausgewählt wurden.
Herta Graf (1911-1997)


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Copyright holder Klaus Graf (Wikipedia Commons)




Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
Daß sie mich tragen, ihre Königin!
Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
Kühn lebt mein Heute, müde schläft mein Gestern —
Mich trennen Welten jetzt von meinen Schwestern!

Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
Ich sehne mich nach einem wilden Sehnen,
Ich sehne mich nach schw…