Kathinka Zitz - Klagen einer Frau





Klagen einer Frau

(über ihren eifersüchtigen Ehemann)



Wenn sich keck auf meinen Nacken
Eine Flieg' zu setzen wagt,
Wird von meinem Herrn und Meister
Sie voll Zorn davon gejagt.
Durch ihr flüchtiges Berühren
Könnte sie mich leicht verführen;
Er verfolgt sie mit dem Wedel
Und schilt sie dabei noch tüchtig -
Auf die Lacken meines Bettes
Ist der Thor selbst eifersüchtig.
Seh' ich auf zum Firmamente,
Um die Wolken zu beschau'n
Folgt er meinem Blick behende,
Nie vermag er mir zu trau'n.
Seine Stirn' wird kraus umzogen,
Kommt ein Vogel hergeflogen;
Meiner Schönheit wegen, meint er,
Daß die Götter mich nicht hassen,
Daß sie mir durch alle Schwalben
Liebesanträg' machen lassen.

Aus: Kathinka Zitz, Dur- und Molltöne, Neuere Gedichte, Mainz, 1856

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