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Es werden Posts vom November, 2010 angezeigt.

Rosa Barach - Das deutsche Wort.

Ertöne laut du deutsches Wort,
Hinaus in Nah und Ferne,
Du bist uns ja ein treuer Hort,
Wir hören dich so gerne.
»Trotz alledem und alledem« — — — —
Wo deutsch das Wort das freie,
Da stehet Wahrheit, stehet Recht
Mit uns und deutsche Treue.


Ertön’ im Lied du deutsches Wort,
Aus tiefstem Herzensgrunde,
Es trage dich von Ort zu Ort,
Trag dich von Mund zu Munde.
»Trotz alledem und alledem« — — — —
Wo deutsche Lieder sprießen,
Da sehen wir die Geister all’
Dem Lichte sich erschließen.


Wo deutscher Geist und deutsches Wort
Euch grüßen, deutsche Lieder,
An diesem schönen, heil’gen Ort,
Ihr Brüder laßt euch nieder.
»Trotz alledem und alledem« — — — —
Wo deutsche Männer stehen,
Da wird auch treu und frei und wahr
Der Freiheit Banner wehen.


Blickt hin auf unsere Väter all’
In heil’gen deutschen Landen,
Es klang ihr Wort wie Schwerter Fall,
Geeint, befreit von Banden.
»Trotz alledem und alledem« — — — —
Erhebt das Wort das starke,
Auch Schwertern gleich, zu Schutz und Wehr,
Es sei des Deutschtums Marke.


Erhebt das deutsche fr…

Rosa Barach - Deutsch-Oesterreich

Es steht ein Land so weit und groß,
Das sich zum Sitz die Treu erkoren,
Dies Land es trägt das Glück im Schoß,
Heil dem, der in dem Land geboren.
Auf allen Wegen
Blühender Segen
Freundlich dir lacht,
In seinen Gauen
Kannst du erschauen
Frieden und Macht.
Ist dir’s bekannt
Dies schöne Reich?
Ich nenn’ es  gleich:Es ist das schöne, es ist das große, das treue Oesterreich!


Es steht ein Blümlein wunderhold
Auf seinen hoffnungsgrünen Fluren,
Erblüht im Frühlingssommergold
Trägt es der Freiheit lichte Spuren.
Wo es erglühet,
Allda blühet
Friede und Glück.
Darf zu den fernen
Leuchtenden Sternen
Tragen den Blick.
Und dieses Land
Wo sie entstand,
Dies schöne Reich
Ich nenn’ es gleichEs ist das schöne, es ist das treue, das freie Oesterreich!


Und haltet hoch dies heil’ge Land,
Für das einst unsre Väter litten,
Sie haben uns des Glückes Pfand
Im deutschen Oesterreich erstritten.
Ihr Ruf erbrauste,
Wie Sturm er sauste
Zum Licht durch Nacht!
Darum wir halten
Wie einst die Alten
So treu die Wacht!
In diesem Land
Am Donaustrand,

Ada Christen - Mariechen

Ich schaute ganz wie Du als Kindlein aus,
Nur etwas bleicher waren meine Wangen
Und wurden roth wie Deine, wenn im Haus
Wir polternd über Tisch und Stühle sprangen.


Die Augen waren auch so blau und rein,
Die Locken fielen d’rauf wie gold’ne Fädchen,
Doch liebte Niemand mich, als ich noch klein –
So innig wie ich Dich, Du kleines Mädchen!


aus: Ada Christen, Aus der Asche, neue Gedichte, Hoffmann & Campe, Hamburg, 1870, S. 38



Louise Aston - Berlin am Abende des 12. November 1848

Wilde kriegerische Klänge
Tönen in die Nacht hinaus,
Schweigend harrt des Volkes Menge
Vor dem königlichen Haus;
Manches Auge blitzt in Thränen,
Manche Faust ist wuthgeballt;
Ob der frevelnden Gewalt
Knirschen Kinder mit den Zähnen.

Glimm’! o glimm’,
Heiliger Grimm!



Bleiches Mondlicht strahlt hernieder
Auf die haßentbrannte Welt; –
’s ist derselbe Mond, ihr Brüder,
Der die Märznacht einst erhellt;
Kommt es heut zum Kugelregen:
Hält der Tod sein Sichelfest,
Und dem letzten Ueberrest
Gibt das Fallbeil seinen Segen. –

Noch ist von Groll
Das Maaß nicht voll. –



Erst des Landes Stimme hören
Will der friedliche Convent;
Bald wird sich das Land empören
Gegen Wrangels Regiment;
Drum voran mit edlem Stolze,
Bannerträger in Berlin!
Mag der Thron in Flammen glühn!
Denn er ist von faulem Holze.

Freiheit und Glück
Gibt Republik!


Freischärler-Reminiscenzen von Louise Aston, woraus das Gedicht entnommen wurde, auf ngiyaw eBooks

Louise Aston - IX. Harmonie

IX. Harmonie

Das ist der Tag, der leuchtend aufgegangen!
Nicht mehr verworr’ner Traum hält mich umfangen!
Die Schattenbilder seh’ ich rings zerfließen,
In’s weite Meer des Lichtes sich ergießen,
Klangvoll hat Harmonie mein Herz durchdrungen;
Mich hat ein echt’ und groß’ Gefühl bezwungen!
Ihm gönne freudig ich des Sieges Recht,
Es soll mein Herr für ew’ge Zeiten bleiben,
Ein jeder Pulsschlag sei des Siegers Knecht;
Die ganze Seele will ich ihm verschreiben!
O süßer Schmerz, so um die Freiheit klagen!
O süße Knechtschaft, solche Fesseln tragen!
Die kühn die Welt gefordert vor die Schranken,
Kampflustige Gefühle und Gedanken,
Des freien Geistes trotzige Vasallen,
Sind machtlos jetzt dem neuen Bann verfallen!
Unglücklich war ich, als ich Herrin war,
Und spielte stolz mit Wünschen und mit Trieben;
Doch Glück umfängt mich süß und wunderbar,
Seit ich die ganze Seele Ihm verschrieben.


Wilde Rosen von Louise Aston, woraus das Gedicht entnommen wurde, auf ngiyaw eBooks

Marie Eugenie Delle Grazie - Moses

Moses (Von Michel Angelo)

Noch flammt die Stirne dir von Sinai’s Wettern,
Noch weht um dich Jehovah’s myst’scher Hauch –
Da horch! metall’ner Becken gelles Schmettern –
Da sieh! das gold’ne Kalb, den Opferrauch,
Der schnöd gefall’nen Menschlein wüsten Reigen
Um’s Thier – ach, um ihr ewiges Symbol!
Zu ihnen wolltest du herniedersteigen,
Begeistert weltentrückt – des Gottes voll?
Für sie hast du die schlummerlosen Nächte
Durchträumt? Für sie dein Antlitz bleich gehärmt?
Für diese Brut rangst du des Himmels Mächte
Hernieder? Für dies Aas hast du geschwärmt?
Ihm wolltest du Prophet sein und Erretter,
Ihm Weisheit bringen, die von Gott entstammt –
Ihm? – hörst du nicht der Becken Hohngeschmetter,
Den Schrei der Bestie, brünstig, wahnentflammt?
Und seine Kiefer knirschen – in die Mähne
Des Bartes wühlt sich die ergrimmte Hand,
Die blutgeschwellte Ader wird zur Sehne
Und Stein der Leib, den Wuth und Schmerz gebannt!
Die mächt’ge Brust allein scheint auszuwogen,
Und diese Brust, sie ringt nach einem Schrei –
Ja, sto…

Catharina Regina von Greiffenberg - Auf den Kornschnitt

SChneidet, schneidet ab mit Freuden, was der milde Himmel gibt,
die verguldte Lebens-Kron, fechsnet ietzund in die Scheuren:
GOtt wird sie, wie auf dem Feld, segnen auch in euren Mäuren.
Dem Allwesenden, durch diese, auch zu uns zukommen liebt.


Die vermenschet’ Allheit nachmals, in dem Brod, in uns sich schiebt,
bey dem GOttes-Wunder-Tisch, durch ihr starkes Lieb-anfeuren.
Dieses GOtt- nit Engel-Brod, laß die Sünde nicht versäuren!
Ewig es begabt und labet, alles anders bald verstübt.
Zwar es ist hoch dankens wehrt, auch das Leiblich Segen-geben.


Doch ach! was die Seel’ ergetzet, äusserst zu erwünschen ist.
Schatten, Pfeil, und Flügel-Art ist, mit seinem Gut, diß Leben.
 Gib mir, was du wilt, von diesem: nur das, was du selber bist,
Seeligkeit und Ewigs Gut, bitt ich, mir nit zuversagen.
Wer nur nach dem Höchsten zielt, wird das kleine schon erjagen.


aus: Geistliche Sonnette, Lieder und Gedichte, zu Gottseeligem Zeitvertreib, Michael Endters, Nürnberg, 1662, S. 242



Frida Bettingen - Nachts

Ruhesam
kniet mein Herz
unter den schwebenden Rufen
der ewigen Heimat.

Nur der düstere Hüter der Tore schreckt es.

Oh,
wer wird bei mir sein,
wenn sich die letzten, strengen Angeln wenden werden.

Auf seiner wartenden Augen Geheiß!

Stern, lieber Stern,
Du Tropfen Ewigkeit
am stillen Himmel,
all meiner welkenden Stunden Mühsal
ist Goldstaub und Anbetung worden in Deiner Hand.

Du hast Deine frommen Tempelwände darum gebaut.

Stern, lieber, lieber Stern,
wir kennen uns schon lange,
Jahrtausende stickten den Saum Deiner Kleider,
Du hörst die Harfen Gottes,
Du weißt, wo Er wohnet,
sein Weg ist Dein Weg, – –

»Führe mich – führe mich!«

aus: Frida Bettingen, Gedichte, Georg Müller, München, 1922, S. 76



Friederike Brun - Die Locken der Mägdlein

Die Locken der Mägdlein. Ein Opfer der Mutter an Hebe.

Siehe die glänzenden Löckchen, o rosenduftende Hebe,
     Weich wie der Pappelbaum blüht, golden wie reifende Saat!
Zierlich umherzt vom Gefäß und von thauigen Blumen umduftet,
     Stell’ ich sie hoffenden Sinns leis’ am Altare dir hin!
Nimm das Opfer der Kindheit, o himmlischlächelnde Göttin,
     Knospen-Enthüllerin, nimm freundlich die Gabe des Mais!
Lächelnd folgen die Mägdlein; doch thaut auf das Lächeln die Thräne,
     Weil sie des wallenden Haars schmeichelnd die Mutter beraubt.
Freudig vertrauen sie dir, du Spenderin lieblicher Gaben,
     Die du im hohen Olymp ewiges Lächeln verstreust!
Bräune die keimenden Locken und röthe die knospenden Wangen
     Unschuld schirme die Brust mit diamantenem Schild!
Stolz entleuchte dem Blick und Lieb’ entathme der Lippe,
     Zärtlichkeit hebe das Herz, Edelmuth glänz’ auf der Stirn!
Willst du den zarten Schwestern, o Göttin, alles gewähren:
     Misch’ in der Locken Schnee, spät noch die Blüthe der H…

Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

Vollmondnacht! Von allen Hügeln
Nieselt’s silberblau in’s Meer,
Auf des Südwind’s trägen Flügeln
Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


Wund mein Herz .... der Wogen Rauschen
Scheucht die Ruh’ von meinem Pfühl –
Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87







Louise Otto - Neue Liebe

Wenn mit neuen Glutgefühlen und mit sehnendem Verlangen,
Einem Herzen ist die Liebe gleich der Sonne aufgegangen,
Da erwachen neue Lieder so die neue Schöpfung preisen,
Aus den langverstummten Innern klingts in wunderreichen Weisen.


Aber eine Liebe weiß ich, eine, die uns mehr erschüttert
Und ihr Aufgang gleicht der Sonne, wenn die Wetterwolke wittert,
Wenn die Fluren tauig glänzen und die Vögel wonnig schmettern
Und in rabenschwarzen Wolken Blitze machtlos niederklettern.


Freiheit! Freiheit ist die Sonne und der Freiheit gilt dies Lieben,
Wollet nimmer Euch verwundern, daß, die frühe stumm verblieben,
Von den deutschen Sängern allen, jetzt auch Schlachtenlieder singen –
Freiheit, des Jahrhunderts Göttin heischt solch waffenhelles Klingen.


Drohet nur ihr dunklen Wolken, so die Sonne noch umzogen
Eure Blitze falln wie Pfeile von den schlaffgewordnen Bogen,
Fallen machtlos, zündlos nieder, schrecken nur der Feigen Wege,
Doch wir Andern sprechen tröstend: seht! es sind nur kalte Schläge.


Laut besingen d…

Anna Louise Karschin - Der Weidendamm.

Der Weidendamm.

Die Muse flieht zu dir, einsamer Cranz von Weiden!
Wo ihr dein West in kühle Schatten winkt.
Ihr Bäume! die ringsum der Spree Gestade kleiden,
Wo oft mein Herz die Ruh in Strömen trinkt.


Seid ihr mein Lied! — Fern vom geschäftigen Getümmel
Wohnt die Natur, die das Einsame liebt
In euch, und rund umher wölbt sich ein heitrer Himmel
Von keinem Rauch der stolzen Stadt getrübt.


Auf euren Wipfeln spielt mit ihren lezten Strahlen
Die Abendsonn' eh' sie ins Meer sich senkt:
Noch will sie dich, o Spree! mit flüß'gem Golde mahlen,
Eh' sie der neuen Welt ihr Antlitz schenkt.


Ein grüner Rasen, den Gesträuche wild umpfangen
Beut zum kunstlosen Ruhesitz sich dar:
Wo haaricht über ihm der Weiden Blüthen hangen:
In ihnen jauchzt der Vögel muntre Schaar.


An seinem Rükken schwillt auf grünenden Terrassen
Ein Garten sanft zum schönsten Tempe an:
Hier schwizt Vertumnus, ihn in Lauben einzufassen,
Und Bacchus pflanzet Traubenhügel dran.


Er ziert dein stilles Haus, worinn die Weisheit wohnet,
O …

Anna Louise Karschin - Die Linden.

Die Linden.
Erstlinge jener Pracht, die unsrer Herrscher Güte
Und ihrer Königsstädte Glanz erhöhn! —
Die Jugend von Berlin, und seines Wohlstands Blüthe
Habt ihr mit eurem Flor erwachsen sehn.


Voll Ehrfurcht konntet ihr schon ihm die Wipfel neigen,
Wenn er den Weg durch eure Reihen nahm.
Der große Ahnherr, dem kein Herrscher zu vergleichen,
Bis er, sein grösserer Urenkel, kam.


Der lorbeernreiche Fürst; der uns in euren Schatten
Des Friedens Glück, die Ruh im Kriege schenkt,
Indeß sein Arm uns schüzt, und ohne zu ermatten
Zum Sieg die Schwerdter seiner Heere lenkt.


Von ihm beschirmet stöhrt kein Wetter euren Frieden
Und eure Ruh kein kriegerischer Blizz:
Wenn Schwerdt und Flamm' umher den Völkern Schrekk' gebieten
So seid doch ihr der stillen Weisheit Sizz.


Ich seh' wie sie herab auf Eure Schatten schauet
Minerva: und nach ihrem Tempel blikt :
Da wo ein König einst ihr Thronen aufgebauet
Von welchen sie sein Volk lehrt und beglükt.


Seht! ihre Schüler fliehn zu euch aus dem Gedränge
In euren stil…

Anna Louise Karschin - Die Castanien-Baeume.

Die Castanien-Baeume.

Euch Zierden von Berlin! und seines Volks Vergnügen,
Die ihr in seiner Mitte blüht!
Lieblingen gleich, die sanft im Schoos der Mutter liegen,
Euch, Bäume! feyrt mein dankbar Lied.


Freundschaftlich nehmt ihr mich in eure stillen Schatten,
Wo mich ein kühler West erfreut.
Und krönet jeden Tag, eh' Ruh und Schlaf sich gatten
Mit Freuden der Geselligkeit.


Ich seh' des Flusses Gott, wie still mit Wohlgefallen
Sein träufelnd Haupt empor er hält:
Und schaut sie lächelnd Hand in Hand vorüber wallen
Die junge und die schöne Welt.


Von seinen Ufern eilt ein Heer schalkhafter Weste
Zu schwärmen um die frohe Schaar.
Muthwillig scherzen sie, die stets willkommnen Gäste
Um blüh'nde Wangen, Brust und Haar.


Sie rollt indessen fort, nimmt still in kurzen Wellen
Durch Königstädte ihren Lauf.
Die majestätische Spree! und ihre Ströhme schwellen
So wie sie forteilt, stärker auf.


An ihren Ufern prangt der Bau, den einst Bellonen
Ihr königlicher Freund zum Tempel gab.
Mit trozigem Gesicht schaut h…