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Catharina Regina von Greiffenberg - Auf den Kornschnitt

Paul Peel - Heuernte



SChneidet, schneidet ab mit Freuden, was der milde Himmel gibt,
die verguldte Lebens-Kron, fechsnet ietzund in die Scheuren:
GOtt wird sie, wie auf dem Feld, segnen auch in euren Mäuren.
Dem Allwesenden, durch diese, auch zu uns zukommen liebt.


Die vermenschet’ Allheit nachmals, in dem Brod, in uns sich schiebt,
bey dem GOttes-Wunder-Tisch, durch ihr starkes Lieb-anfeuren.
Dieses GOtt- nit Engel-Brod, laß die Sünde nicht versäuren!
Ewig es begabt und labet, alles anders bald verstübt.
Zwar es ist hoch dankens wehrt, auch das Leiblich Segen-geben.


Doch ach! was die Seel’ ergetzet, äusserst zu erwünschen ist.
Schatten, Pfeil, und Flügel-Art ist, mit seinem Gut, diß Leben.
 Gib mir, was du wilt, von diesem: nur das, was du selber bist,
Seeligkeit und Ewigs Gut, bitt ich, mir nit zuversagen.
Wer nur nach dem Höchsten zielt, wird das kleine schon erjagen.


aus: Geistliche Sonnette, Lieder und Gedichte, zu Gottseeligem Zeitvertreib, Michael Endters, Nürnberg, 1662, S. 242



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Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
Daß sie mich tragen, ihre Königin!
Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
Kühn lebt mein Heute, müde schläft mein Gestern —
Mich trennen Welten jetzt von meinen Schwestern!

Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
Ich sehne mich nach einem wilden Sehnen,
Ich sehne mich nach schw…

Herta Graf - Venedig

Venedig

Im Salzhauch der Winde zerbröckeln
die Spitzengewirke aus Stein,
mit denen die Serenissima
sich schmückte, als ihre Galeassen
unter San Marcos
rotgoldenem Löwenbanner
die Adria beherrschten;


noch immer voll Grazie
wiegt sich der Totentanz
der Paläste und Kirchen
am Kanal Grande,
dunkel widerspiegelnd den Abglanz
vergangener, ruhmreicher Tage;


unruhvoll bebt die Lagune
im Pulsschlag des Meeres,
von Marghera vergiftet
bis ins Mark;


o sterbende Stadt,
die schönste der Erde;
der Mensch aber sucht Kontakt
zu fernen Planeten.




Aus: Labile Harmonien. Schwäbisch Gmünd: Einhorn-Verlag 1994, S. 23. In den Band aufgenommen wurden 50 Gedichte, die aufgrund einer 1993 erfolgten Ausschreibung aus 327 Eingesandten von einer Jury ausgewählt wurden.
Herta Graf (1911-1997)


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Copyright holder Klaus Graf (Wikipedia Commons)




Maria do Ceo - Sterbend aus Liebe

Sterbend aus Liebe.

Holt mir Blütentriebe,
Denn ich sterb' aus Liebe.


Überdeckt mich doch mit Blüten,
Dass die Liebe nicht im Winde
             Entschwinde;
Thut es; weiss ja doch ein Jeder,
Dass wie Blütenduft zerstiebe
Die Liebe.


Sorget, dass ich bald als Bahrtuch
Lilien und Jasmin erwerbe;
Ich sterbe;
Fragt ihr mich: Woran? — Es wollte,
Dass kein Hoffen mir verbliebe,
Die Liebe.


Aus: Aus Portugal und Brasilien (1250-1890) Ausgewählte Gedichte verdeutscht von Wilhelm Storck, Münster i. W., 1892