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Ilse Franke - Dir

Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch - Spring, Garden in Blossom



Wie lieblich ist mein Los gefallen.
Ich führ mich Weib und selig Kind,
Begnadet vor den Menschen allen,
Die mir gesellt gewesen sind.


So tief und süß sieht nun das Leben
Mit voll erwachtem Blick mich an.
Mich selber hast du mir gegeben
Mit deiner Liebe, liebster Mann.


Mein wunderbunter Sommergarten,
Dir blüht und reift, dir schmückt er sich.
Denn all mein Wachsen war ein Warten
Auf meiner Ernte Herrn, auf dich.


Im Früchtegold, welch heilig Wandern,
Treu Hand in Hand, hinein ins Glück ...
So geben wir den dunklen Andern
Den Abglanz unsres Lichts zurück.


In unsrer Blicke Liebesfülle,
Sieh, spiegelt sich die ganze Welt,
Weil Gottes Auge ohne Hülle
Bis in das tiefste Herz uns fällt.


aus: Ilse Franke, Von beidern Ufern, Neue Gedichte, Verlag von Hüberl & Denck, Leipzig, 1922



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Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
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Ich sehne mich nach schw…

Herta Graf - Venedig

Venedig

Im Salzhauch der Winde zerbröckeln
die Spitzengewirke aus Stein,
mit denen die Serenissima
sich schmückte, als ihre Galeassen
unter San Marcos
rotgoldenem Löwenbanner
die Adria beherrschten;


noch immer voll Grazie
wiegt sich der Totentanz
der Paläste und Kirchen
am Kanal Grande,
dunkel widerspiegelnd den Abglanz
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unruhvoll bebt die Lagune
im Pulsschlag des Meeres,
von Marghera vergiftet
bis ins Mark;


o sterbende Stadt,
die schönste der Erde;
der Mensch aber sucht Kontakt
zu fernen Planeten.




Aus: Labile Harmonien. Schwäbisch Gmünd: Einhorn-Verlag 1994, S. 23. In den Band aufgenommen wurden 50 Gedichte, die aufgrund einer 1993 erfolgten Ausschreibung aus 327 Eingesandten von einer Jury ausgewählt wurden.
Herta Graf (1911-1997)


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Copyright holder Klaus Graf (Wikipedia Commons)




Maria do Ceo - Sterbend aus Liebe

Sterbend aus Liebe.

Holt mir Blütentriebe,
Denn ich sterb' aus Liebe.


Überdeckt mich doch mit Blüten,
Dass die Liebe nicht im Winde
             Entschwinde;
Thut es; weiss ja doch ein Jeder,
Dass wie Blütenduft zerstiebe
Die Liebe.


Sorget, dass ich bald als Bahrtuch
Lilien und Jasmin erwerbe;
Ich sterbe;
Fragt ihr mich: Woran? — Es wollte,
Dass kein Hoffen mir verbliebe,
Die Liebe.


Aus: Aus Portugal und Brasilien (1250-1890) Ausgewählte Gedichte verdeutscht von Wilhelm Storck, Münster i. W., 1892