Posts

Es werden Posts vom 2011 angezeigt.

Herta Graf - Venedig

Bild
Venedig

Im Salzhauch der Winde zerbröckeln
die Spitzengewirke aus Stein,
mit denen die Serenissima
sich schmückte, als ihre Galeassen
unter San Marcos
rotgoldenem Löwenbanner
die Adria beherrschten;


noch immer voll Grazie
wiegt sich der Totentanz
der Paläste und Kirchen
am Kanal Grande,
dunkel widerspiegelnd den Abglanz
vergangener, ruhmreicher Tage;


unruhvoll bebt die Lagune
im Pulsschlag des Meeres,
von Marghera vergiftet
bis ins Mark;


o sterbende Stadt,
die schönste der Erde;
der Mensch aber sucht Kontakt
zu fernen Planeten.




Aus: Labile Harmonien. Schwäbisch Gmünd: Einhorn-Verlag 1994, S. 23. In den Band aufgenommen wurden 50 Gedichte, die aufgrund einer 1993 erfolgten Ausschreibung aus 327 Eingesandten von einer Jury ausgewählt wurden.
Herta Graf (1911-1997)


This file is licensed under the Creative CommonsAttribution 3.0 Unported license.
Copyright holder Klaus Graf (Wikipedia Commons)




Irene von Schellander - Geheime Liebe

Bild
Geheime Liebe. Du nennst die weiße Lilie mich,
Die Schimmernd kühl erblühte,
Und huldigst mir so feierlich
Mit sehnendem Gemüte.
O blicktest du mir einmal klar
Ins Herz, das ruhelose!
Im Grunde glüht es wunderbar
Wie eine rote Rose.
Aus: Irene von Schellander, Tannenbruch, Gedichte, E. Pierson's Verlag, Dresden und Leipzig, 1902

Irene von Schellander - Titanic

Bild
Titanic.
Dein Name schon: Titanic, war die Macht! Dein Anblick Sieg, der aller Stürme lacht.
Und als die Riesenanker Du gelichtet Im Hafen von Southampton, weltgesichtet,
Und ungestüm zerwühlt den Wellenschoß, Da rissen sich zwei große Dampfer los
Von ihren Tauen, die Dein Wirbel schlug, Und schwangen warnend sich vor Deinen Bug. »Hab’ acht. Du größtes Schiff im Meergewog!«
Da blies der Wind und Deine Flagge flog Auf Deiner Brautfahrt, grüßte, wie seit je, Die Freiheit in Alt-Englands Macht zur See! Musik und Volldampf! Ob der Tag zerfloß,
Du stiegst am Himmel auf als Lichtkoloß, Der durch das Weltall in den Abgrund fährt
Und Flut und Eis im Untergang verklärt.
Da horch — vom Krähennest hoch oben schlug
Dreimal der Gong: »Eis vor dem Bug!« — Und: »Hard a-starboard!« das Kommandowort
In einem Atem. »Hart an Steuerbord!« — Es war der Tod, der das Kommando sprach Und Dir das Ruder und die Rippen brach.
Die Männer zweier Länder ins Verderben! Und mußten kühn wie Könige zu sterben! Zweitausend Helden, ei…

Rosa Kleinhapl - Novembertage

Bild
Novembertage.
Novembertage trüb und grau
Ihr schleicht dahin so müd und matt
Wie eine gramgebeugte Frau,
Der man das Glück genommen hat.


Man nahm euch auch das Beste fort —
Kein Vogel singt im Tannenbaum.
Die Wiesen brach und längst verdorrt
Die Felder kahl bis an den Saum.


Und weiße Nebel, geistergleich,
Mit langen Armen waldwärts zieh'n;
Sie müssen stumm und schreckensbleich
Dem warmen Leben rasch entflieh'n.


Novembertage trüb und grau,
Ihr schleicht dahin so müd und matt
Wie eine gramgebeugte Frau,
Der man das Glück genommen hat.


Aus: Rosa Kleinhapl, Erzählungen und Gedichte, Kommissionsverlag Josef Kienreich, Graz, 1918


Es konnten leider keine Informationen zum Leben von Rosa Kleinhapl gefunden werden.







Angelika von Hörmann - Nun sind sie da, die blauen Tage

Bild
Nun sind sie da, die blauen Tage,
Die Tage voll von Glanz und Duft,
Kein Wölkchen schreibt als leise Frage
Ein Warnungszeichen in die Luft;
Kein Sturm droht mehr mit Hochgewittern,
Du brauchst im Traume nicht zu zittern,
Daß dich ein Schlag ins Wachen ruft.


Noch fällt kein gelbes Blatt vom Baume,
Doch fruchtschwer neigt sich Ast zu Ast
Und dorfwärts schwankt vom Feldessaume
Der Ähren hochgethürmte Last.
Rings fettes Grün und Farbenprangen,
Als ruhten Lenz und Herbst umfangen
In selig stummer Liebesrast.


Das webt den Zauber dieser Stunden:
Sie scheinen frei vom irdschen Zoll,
Als hätt das Pendel Halt gefunden,
Als wär der Zeiten Kreislauf voll;
Kein Winter, wähnst du, käm sie rauben -
Das Herz will ewig dauernd glauben,
Was völlig es beglücken soll.


Aus: Das Buch der Sehnsucht, Herausgegeben von Paul Remer, Schuster & Loeffler Verlag, Berlin und Leipzig, 1900



Elisabeth Janstein - Liebe

Bild
LIEBE

Demütig will ich sein und dienen?
Sind Wünsche, die wie Flammen schienen,
Vor diesem einen Wunsch verweht?


Das Haupt, das sich in Wolken wähnte
Und aller Taten Krone sehnte,
Das jetzt im Sturm der Liebe steht —


Die Hände, die sich zornig ballten
Um Schwert und Fahnenschaft zu halten,
Sind wie ein Becher aufgetan.


Wann steigt dein Durst zu meinem nieder,
Wann beugst du langsam deine Glieder
Und fängst voll Lust zu trinken an?


Aus: Elisabeth Janstein, Die Landung, Drei Masken Verlag, München, 1921


Elisabeth Jenny von Janstein - 19. Oktober 1893, Iglau -  31. Dezember 1944, Winchcombe - war eine deutsche Dichterin und Journalistin.



Angelika Hörmann - Mädchenlieder

Bild
Mädchenlieder
1.

Was ihm an mir gefallen mag?
Zur Kammer schleich ich oft im Tag,
Schieb vor die Thür den Riegel
Und schau in meinen Spiegel.


Warum erwählt er nicht die Ros?
Bin eine schlichte Blume bloß
Und nimmer will's mir glücken,
Mich also hold zu schmücken.


Doch eine Zier ist mein fürwahr!
Die Schönste wär ich aus der Schar,
Stünd all mein treues Lieben
Im Antlitz mir geschrieben.




2.

Im Erker sitz ich früh und spät
Und führe die Nadel durchs Linnen,
Kaum hab ich ein paar Stiche genäht,
So lug ich über die Zinnen.


Erschallt vom Thurm des Wächters Ruf,
So spring ich schnell vom Sitze,
Dröhnt auf der Brück ein Pferdehuf,
Durchzucken mich Freudenblitze.


Wie lausch ich, ob die Trepp empor
Ein rascher Tritt nicht klimme,
Wie selig trinkt mein durstig Ohr
Die tiefe geliebte Stimme!


Wenn einen Tag mir's nicht gelang
Mich in Geduld zu fassen,
Wie schlepp ich dann der Jahre Gang,
Wenn er mich ganz verlassen?


Aus: Das Buch der Sehnsucht, eine Sammlung deutscher Frauendichtung;, eingeleitet und hrsg. von Paul Rem…

Liddy Richter – Sehnsucht

Bild
Liddy Richter – Sehnsucht.

Die Sehnsucht winkt mir aus des Himmels Blau,
Sie flüstert in der Lüfte wildem Wehen;
Die Blume duftet sie im Morgentau;
Sie klingt gar leis aus Nachtigallenflehen.


Die Sonne glüht sie scheidend noch ins Thal,
Im Waldesdunkel rauschen sie die Quellen,
Mit goldnem Griffel schreibt der Mondesstrahl
Sie zitternd auf des stillen Sees Wellen.


Im Himmel leuchtet sie die Sternenpracht
Geheimnisvoll in sommernächt'ger Stunde;
Doch grüßt sie mich mit ihrer Macht
Erst aus des Menschenauges tiefem Grunde.


aus: Dichterklänge, Neue deutsche Lyrik für Herz und Haus, Herausgegeben von Hermine Freiin von Gellenberg, Gustav Flock Verlag, Leipzig, o. J. [1906]



Maria Solina - Epigonen

Bild
Epigonen

Jüngst sah auf einem meiner stillen Gänge
Ich einen Baum von seltsamer Gestalt,
Wie seinesgleichen nie mein Auge schaute.
Weil halb im Licht er, halb im Schatten stand,
Meint' ich zuerst, daß mich die Sonne äffe.
Nicht Baum noch Strauch: ein krankes Mittelding.
Der Stamm unförmlich kurz und dick, die Krone
Ein dichtbelaubter, ästeloser Knauf,
Der ungegliedert, reglos darauf ruhte
Wie eines dunkeln Riesenpilzes Dach.


Der Stamm – ob einer Linde Rest, ob eichen –
Gehört' einst sicher einem König an
Im Reich der Bäume. Mehr ließ nicht erkennen
Der neid'schen Wucherpflanze dicht Geschling,
Das sich mit tausend Würzlein d'ran geklammert,
Und, d'ran erstarkt, in üpp'ger Fülle sprießend
Sich kühn anmaßte eig'nes Lebensrecht.


Und wie man um die Säule eines Großen,
Der frei und stark zur Höh' emporstrebt,
Ein wimmelnd Völklein krabbeln sieht, das emsig
Backsteine schleppt herzu zum Weiterbau,
Bis jene Säule, die so stolz gestanden,
Ein weithin weisend Ehrenmonument
Selbsteig…

Therese Keiter - Qual

Bild
Qual.

Von Kathedralenstufen fließt das Blut!
O dunkles Wort, wie grinst aus dir das Grauen!
Einst stiegen heilige Füße hier empor,
Gesalbte Gottes und geweihte Frauen;
Nun hält der Mord am Steinportale Macht! -
Wie wundergroß auch diese Zeiten sind,
Wie stolz wir stehn, sie fühlend zu erleben,
Das Auge wird von all dem Schrecknis blind.
Und unsre arme Seele ist voll Beben.
Gleich einem Alb erdrückt das Herz der Haß,
In unsern Nächten fühlen wir die Qual
Der Sterbenden, die fern im Felde liegen,
Allein und hilflos gehn den Todesweg:
Mit zu viel Schmerzen kaufen wir das Siegen!
Von Kathedralenstufen fließt das Blut!


Aus: Mein Kriegsbuch von M. Herbert (Therese Keiter), Verlag von J. P. Bachem, Köln, 1915



Inge von Holtzendorff - Ich sehe dich

Bild
Ich sehe dich
Ich sehe dich,
Meine Augen tränken sich
Vom Licht deiner Schönheit,
Ganz hingelöst
Bin ich in deiner Stimme lieblichen Laut.


Ich kenne dich nicht,
Nur wie ein Schmetterling
Träumend im Fluge über Blumen streift,
Rührt meine Seele an die deine, bewegt
Von künftiger Liebe.


aus: Unser Pommernland [Ausgabe unbekannt]




Bitte beachten Sie, daß die Werke von Inge von Holtzendorff dem Urheberrecht unterliegen – alle Rechte daran liegen bei den Erben.
© 2007/2011 ngiyaw eBooks für diese Veröffentlichung.



Inge von Holtzendorff - Sturm der Liebe

Bild
Sturm der Liebe
Sturm der Liebe bricht in mein Herz,
Rauschend fahren auf die Wipfel meiner Bäume;
Schlaf auf den Zweigen lagerte schweigend und schwer,
Aber im Sturme schütteln sich brausende Wipfel.


Und es tropfen, langsam rinnend und groß,
Dunkle Tränen aus den erschütterten Zweigen.


Dann aber schweigt der Sturm und die Bäume schweigen,
Wieder liegt Schlaf auf den Wipfeln dunkel und schwer.



aus: Unser Pommernland, [verm. 6 Jg. 1921 Heft 3 S. 55]


Bitte beachten Sie, daß die Werke von Inge von Holtzendorff dem Urheberrecht unterliegen – alle Rechte daran liegen bei den Erben.
© 2007/2011 ngiyaw eBooks für diese Veröffentlichung.



Inge von Holtzendorff – Ich reite durch den Wald

Bild
Ich reite durch den Wald …
Ich reite durch den Wald und der Wald ist weit,
und mein Panzerhemd ist schwer,
ich reite durch den Wald und der Wald ist weit.


Winters sind alle Wege im Wald verschneit,
im Sommer rinnt der Regen sehr.
An meiner Lanze fressen Regen, Rost und Tau,
ich trage meine Lanze immer noch behutsam wie eine müde Frau.


Ich reite durch den Wald und der Wald ist weit,
die Stämme stehen steil und drohend um mich her,
sie stehen hoch wie Säulen, feindlich, streng und schmal.
Wie ein Narr reit ich in dem Wald herum!


Fahl ist der Wald – fahl.
Warum reite ich so, warum reite ich so, warum? –
Irgendwo ist der Gral!


aus: Unser Pommernland, 6 Jg. 1921 Heft 3 S. 64



Bitte beachten Sie, daß die Werke von Inge von Holtzendorff dem Urheberrecht unterliegen – alle Rechte daran liegen bei den Erben.
© 2007/2011 ngiyaw eBooks für diese Veröffentlichung.



Hildegard Voigt - Tränenlos

Bild
Tränenlos
Wir halten uns an den Händen, wir weinen und klagen nicht. Wir streichen mit leisem Finger über dein stilles Gesicht.
Wie liegt so weit nun dahinten, was siech an dir und was krank! Wir denken in Ehrfurcht-Staunen der Welt, die mit dir versank.


Aus: Hildegard Voigt, Dornenkinder, Norddeutscher Verlag für Literatur und Kunst, Stettin
Bildquelle: http://www.radiobremen.de/kultur/portraets/modersohn-becker/portrait354_v-slideshow.jpg



Marie Rudofsky - Mein Garten

Bild
Mein Garten

Mein ganz kleinwinzig Gartenland,
Inmitten niedrer Hecken,
Auch du sollst dich für's Vaterland
Nach besten Kräften recken.


Sollst statt der sonst'gen Blumenpracht
Jetzt Kraut und Rüben treiben
Und nicht nach lauer Frühlingsnacht
Erstaunt die Augen reiben.


Sollst Knollen und Kartoffelbrei
In deinem Schoße tragen
Und nicht im Wonnemonat Mai
Nach Blütendüften fragen.


Sollst frisch mit Lauch und Thymian
Ein Gurkenbeet umsäumen
Und nicht in eitlem Größenwahn
Von Marschallrosen träumen.


Mein ganz kleinwinzig Gartenland,
Inmitten nied'rer Hecken,
Du brauchst dich heut' im Kriegsgewand
Vor niemand zu verstecken.


Sei stolz darauf, wie jeder Held
Im rauhen Ehrenkleide
Und stempeln and're dich zum Feld,
Verdankst du's nur dem Neide.


Doch einmal, Gärtchen, einmal — bald,
Wenn wir den Frieden schließen,
Dann soll ein ganzer Blumenwald
Aus deinen Beeten sprießen.


Aus: Marie Rudofsky, Donauwacht, Verlag der k. k. Gesellschaft vom Österreichischen Silbernen Kreuze, Wien, 1917
Dieses Gedicht unt…

Maria Janitschek - Mädchenfrage

Bild
Mädchenfrage.

Als Kind hab ich oft geweint,
wußt nicht, warum,
nun muß ich oft heimlich lachen,
weiß nicht warum.


Es greift in meine Saiten
eine rätselhafte Hand,
ein Fremdes will mich leiten
in ein unbekanntes Land.


Seltsam wunderliche Gedanken,
die mein Wort nicht nennen kann,
baun um mich purpurne Schranken
und halten mich in Zauber und Bann.


Ich fasse dich nicht o Leben,
weiß nicht, wer wir beide sind,
weiß nicht, wohin wir streben,
wo ich mein Ziel wohl find.


Als Kind hab ich oft geweint
wußt nicht, warum …
nun muß ich oft heimlich lachen,
weiß nicht, warum.


Aus: Maria Janitschek, Im Sommerwind, Verlag Kreisende Ringe, Leipzig, 1895
Mehr bei ngiyaw eBooks unter der Autorin



Helene von Engelhardt - Nordischer Winter

Bild
Nordischer Winter.

Sei mir gegrüßt, mein nordischer Winter!
Mehr, als des Südens lodernde Gluthen
Mit üpp’gen Farben,
Mit weichen, erschlaffenden Lüften,
Liebe ich dich
In deiner rauhen, unzähmbaren Kraft!


Nicht nahest du uns
Wie dein schwächerer Bruder
Den Fluren des Mittags:
Auf luftigen Schwingen,
Die Regenwolke als leichtes Gewand
Um die Knabenglieder gezogen. — Nein!
Ein trotziger Kämpe, ein Riese der Vorzeit,
Erscheinst du bei uns!


Auf weiten Schneeschuhen kommst du gebraust,
Das Bärenfell um die mächtigen Schultern,
Im Arm den entwurzelten Tannenbaum.
Auf den wilden Locken,
Den weißbereiften,
Wiegt sich der goldgrüne Mistelzweig. —
Bei deinem Hauche erstarret der See
Und breitet schützend über sich aus
Die Eisesdecke,
Den schimmernden Schild,
Die Aeste der Birken hüllen sich flink
In lichte, versilberte Rüstung:
Und alles funkelt,
Flimmert und blitzt —
Heil dir!
Sei mir gegrüßt, mein nordischer Winter!


In der Spinnstube aber
Beim flackernden Kienspan
Rücken die Mädchen enger zusammen:
Die Spindel surrt —
Sie sin…

Agnes Harder - Scheine durch meine Hände!

Bild
Scheine durch meine Hände!
Scheine durch meine Hände, rotes Sonnenlicht! Sehn will ich, sehn, daß mein Herz noch spricht! Fühlen will ich, fühlen nach all dem Gram, daß der bleiche Winter, daß das Ende noch nicht kam. Hoch hebe ich die Hände wie eine Beterin, fühle des roten Schimmers tiefinnersten Sinn: Sehn will ich mein Herzblut in deinem Licht, Sonne, das Leben sehn, das aus dir spricht! Auf den roten Blättern liegt dein letzter Hauch. Sonne, auch mich in dein schimmerndes Scheinen tauch! Trügerisch, ich weiß, ist des Herbstes Glut. Morgen, schon morgen, friert mein Blut. Laß es mich noch einmal in meinen Händen sehn Sommer und Leben und Hoffnung — wie war't ihr wunderschön!
Agnes Harder war eine deutsche Lehrerin und Schriftstellerin. (24. März 1864 in Königsberg - 3. Februar 1939 in Berlin) 


Aus: Berliner Dichterbuch, Herausgegeben von Wolf Arnim Kochmann, Führer Verlag, Berlin, o. J. 




Anna Behrens-Litzmann - Schlaflose Nächte

Bild
Schlaflose Nächte.



Schlaflose Nächte, klage ich über euch?
Ihr, der geheimsten Kräfte stille Erwecker,
Ihr, die Gespinste webt, zu zart für die Sonne,
Und noch aus Schmerzen, wie sie der Tag nicht vergißt,
Flammen  entzündet, die hell das Dunkel durchleuchten.
Ihr, die ihr Schatten begrabt und lärmender Stimmen
Wertlosen Schall. — Die verängsteten Seelen
Badet in tiefen Brunnen sel'gen Vergessens,
Oder fließenden Strömen von Welt zu Welt,
Daß sie geläutert grüßen das heilige Licht,
Wenn mit leisem Gesang der Morgen sich kündet.
Schlaflose Nächte, — ich danke und segne euch!


Aus: Anna Behrens-Litzmann,Gedichte, Weiß'sche Universitäts-Buchhandlung, Heidelberg, 1920
Als eBook (pdf/ePub) und als eText bei ngiyaw eBooks, Digitalisat der Vorlage vorhanden