Freitag, 25. März 2011

Maoi Milalis - Sterben

Sterben

Schon lange kannten wir das Ende
Das kommen würde ohne Rast
Wir sahen es vor unsren Augen
Und harrten seiner ohne Hast


Doch so wie alles, wenns noch nicht ist
Dem Tatsächlichen nicht entspricht
So blickte ich unvorbereitet
Dem Tod ins blanke Angesicht


Dein letzter Wunsch, ich sollts erfüllen
Ich versprach’s, du bist mein Leben
So wie ich dich in Lust umarmte
Nähe sollte ich dir geben


Noch lange nach dem Tode
Hielt ich dich fest gedrückt
Ich werd es nie vergessen
ein letztes Mal beglückt


Doch dann sah ich die Blässe
Statt deines Lebens Rot
Ich konnt nicht von dir lassen
Und wünschte ich wär tot


* * * * * * * * * * * * *


Nach Jahren deiner Ferne
Fühl ich dich in den Armen
Doch spür ich keine Wärme
Der Tod kennt kein Erbarmen




Maoi Milalis copyrighted



Amy Lowell – Tagundnachtgleiche - Vernal Equinox

Tagundnachtgleiche


Der Duft von Hyazinthen liegt wie ein blasser Nebel,
liegt zwischen mir und meinem Buch.
Und der Südwind, der den Raum erfüllt,
lässt die Kerzenflammen beben.
Meine Gedanken fesselt ein Regenspritzer
auf dem Fenstersims,
und das junge Grün draußen in der Nacht
wird mir zur Qual.


Warum bist du nicht hier, mich zu umfangen
mit der Macht und Kraft deiner Liebe?


Übertragen von Maoi Milalis (copyrighted)


Vernal Equinox


The scent of hyacinths, like a pale mist,
Lies between me and my book;
And the South Wind, washing through the room,
Makes the candle quiver.
My nerves sting at a spatter of rain on the shutter,
And I am uneasy with the thrusting of green shoots
Outside, in the night.


Why are you not here to overpower me with your tense and urgent love?



Donnerstag, 24. März 2011

Maria Janitschek - Frühlingsnacht

Maria Janitschek



Frühlingsnacht.


Auf den stillen Feldern träumt das Mondlicht
seinen weißen Traum und küßt die Blumen,
bis sie blaß und blässer werden. Silbern
glänzt der Teich im Tann; wie schneeige Schleier,
die versteckte Nixen von sich streifen,
blitzts auf seiner spiegelklaren Fläche.


Weiße Rauche dampfen aus den Thalen,
wo der Armut Hütten lichtverklärt sind
und vertraute Grüße lautlos wechseln
mit des kleinen Kirchhofs niedern Kreuzen ..


Weißer Friede, weißer weicher Friede –


aus: Maria Janitschek, Im Sommerwind, Verlag Kreisende Ringe, Leipzig, 1895



Mary Elizabeth Hewitt – Nach Sappho.

Charles Gleyre – Sappho geht zu Bett



Nach Sappho


Wenn deinen Namen flüstern in dem leeren
Gemach, und nur bei dir zu denken sich,
Wenn nah dir seufzen, fern dir sich verzehren:
O, wenn Dies lieben heißt, so lieb ich dich!


Wenn bei dem leisen Gruß, von dir gesprochen,
Empfinden, wie die Gluth das Herz durchschießt;
Zurück dann wieder drängen all dies Pochen,
Daß seinem Jubel stumm der Mund verschließt;


Wenn athemlos auf deine Rede hören,
Daß schier vor Angst mein Herz zu springen droht;
Und, einsam, jedes Wort zurückbeschwören,
Als ruht' in ihm mir Leben oder Tod;


Wenn, angeschaut von dir, das Auge senken,
Und wie die Taube bebend neigen sich;
Wenn schlafend, wachend, ewig dein gedenken: –
O, wenn Dies lieben heißt, so lieb' ich dich!


aus: Lieder- und Balladenbuch amerikanischer und englischer Dichter der Gegenwart, Herausgegeben und übertragen von Adolf Strothmann, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1862



Mittwoch, 23. März 2011

Felicia Hemans – Der Sonnenstrahl.

Dellex – Sonne, Meer und Möwe(GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2)



Der Sonnenstrahl.


Du weilst nicht allein in dem Königssaal,
Bringst überall Freude und Lust, o Strahl!
Bist Hoffnungsverkünd'ger dem Land und Meer —
Sag', was hat die Schöpfung, das gleich Dir wär'?


Du wallst auf der Flut, und der Ocean lacht,
Du umstrahlst die unzähligen Inseln mit Pracht;
Du umglühest die Schiffe, den flockigen Schaum,
Und erheiterst den Schiffer wie heimischer Traum.


In den heiligen Tiefen vom schattigen Hain
Strömst Du auch die grünen Arcaden hinein;
Die zitternden Blätter erhaschen die Glut,
Und spiegeln wie Funken sich hell in der Flut.


Ich blickt' auf die Berge, — ein Nebel schwebt'
Um die zackigen Höh'n, der sie schwarz umwebt';
Du brachst hervor, und die Nebelnacht
Ward Krone und Purpur voll Glanz und Pracht.


Ich blickt' auf des Landmann's niederes Haus —
Es sah wie umhüllet von Traurigkeit aus!
Doch ein Blick von Dir durch das Gitter bricht,
Und mit Schönheit umstrahlt es Dein magisches Licht.


Du leuchtender Gast, der die Wildniß begrüßt,
Die Wüste erhellt, und den Rosenkelch küßt,
Du verschmäh'st in der Pracht Deines Glanzes es nicht,
Die Ruine zu grüßen mit liebendem Licht.


Du schwebst durch des Domes düsteren Chor,
Da blitzen die Säulen aus Nacht hervor,
Und die Leichensteine mit alten Trophä'n
Sind wie von geschmolzenem Golde zu seh'n.


Und Du wendest Dich nicht von der niedrigsten Gruft,
Wo die Blume sich wiegt in der seufzenden Luft;
Du verscheuchest ihr Grauen wie Träume der ruh',
Auf der Wölbung des Hügels voll Lieb' schlummerst Du.


O Sonnenstrahl, was gibt's, das gleich Dir wär'?
Du Hoffnung der Wildniß, Du Lust vom Meer! —
Nur Eins, das Dir gleicht, ist dem Menschen gewährt,
Der Glaube, deß Licht Alles himmlisch verklärt.


aus: Britannia, Eine Auswahl englischer Dichtungen alter und neuer Zeit, Übertragen von Louise von Ploennies, Mit Originaltext, Verlag der S. Schmerber'schen Buchhandlung, 1843





Else Galen-Gube – Hymen.

Sir Joshua Reynolds – Three Ladies Adorning a Term of Hymen


Hymen



Am Horizont verglimmt des Tages Schein,
der Abend sinkt in satten Farbengluten;
im fernen West will sich der Tag verbluten,
wir beide endlich, endlich ganz allein.


Du schaust mir selig lächelnd ins Gesicht,
an meinen Wimpern siehst du Tränen hangen;
zwei heiße Zähren, die nach Zweifelsbangen
das Glück gebar. O das verstehst du nicht.


Lös nicht den Gürtel jetzt mir vom Gewand,
entweihe nicht die Heiligkeit der Stunde;
dein bin ich, dein aus tiefsten Herzensgrunde –
Komm, leg auf meine Stirn nur deine Hand.


Ich weiß, du hast dich ja nach mir verzehrt,
in wilder Sehnsucht, schweigend, ohne Klagen;
grausam bin ich – und doch, konnt ich denn sagen:
»Dein eigen sei, was du so heiß begehrt?«


Was blickst du so verstört, so starr mich an?
Nichts soll sich zwischen unsre Liebe türmen?
O du – – ich weiß. Du willst den Himmel stürmen ..
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 
So stürm ihn denn, du heißgeliebter Mann.


aus: Else Galen-Gube, Im Bann der Sünde, Gedichte, Thomas & Oppermann, (Ferd. Beyers Buchhandlung), Königsberg i. Pr., 1905.

Dienstag, 22. März 2011

Dukai Takách Judit - Visszaemlékezés

Dukai Takách Judit



Visszaemlékezés


Oh mért nem hagysz el engemet
Búsító emlékezet!
Te dúlod fel életemet –
Morc képed sírba vezet.
Te zúzod össze szívemet,
Te tiprod el víg kedvemet,
Te munkád, hogy életem
Zokogva szemlélgetem.


Ha mint hajdan víg napjaim
Most is kéjjel folynának,
Vagy emlékezo gondjaim
Megpihenni hagynának:
Dicsérnélek, áldanálak.
De hajh! szívem bánatjának
Csak a csendes boldog sír
A várt engesztelő ír.


Elhúnyt, boldog, víg esztendők,
Melyekben gyermek voltam:
Akkor, hogy ily komor idők
Legyenek, nem gondoltam.
Nem kerültem a rossz nyelvet,
Nem álmodtam veszedelmet;
Szívem nem ismert határt –
Mindenhol új öröm várt.


Majd ismét, hogy felserdültem,
S szívem érezni kezdett,
Jobban-jobban eszesültem
S a barátság élesztett:
Magam boldognak éreztem,
Mindent jónak, szépnek néztem
S azt mondám, hogy e világ
Mennyből hullott gyöngyvirág.


Ami szép, jó, nagy és hasznos,
Arra törve siettem,
Amennyire még hiányos
Elmémmel felérhettem.
Mindezekért csak azt nyertem,
Hogy boldog mégsem lehettem,
Mert hol annak mondatom,
Leginkább nő bánatom.


Mintha egy szikláról nézném
A világ szépségeit,
És soha el nem érhetném
Lelkem reménységeit:
Int a természet szépsége –
Tilt a meredek mélysége;
Ha szívem egyfelé szít,
Sorsom másfelé taszít.


Minden, ami van körülem,
Emlékeztet sorsomra;
Emlékeztet, bár kerüljem,
Volt boldog napjaimra.
A mult időnek fátyolát
Nézvén, éltem boldogságát
A homályban ott látom.
Ah! kedves volt sajátom!


Ha látom a természetet,
Mint a tavasz szárnyán leng,
S hallom ott a szép éneket,
Melyet a szárnyas nép zeng:
Látom régi szép hajnalom –
Nekem is ily víg volt dalom;
Én is úgy örvendettem,
Mint ezek, hogy születtem.


A természet kiessége
Szintén mint más változik,
Csakhogy megújul zöldsége,
Ha a tél eltávozik:
De engem örökre elhágy
Az öröm, – szívem sírba vágy.
Óh, ha minden elhagy is,
Csak te ne, óh poézis!…

Forrás: Vadász Norbert adta ki, Dukai Takách Judit élete és munkái, Budapest 1909

Montag, 21. März 2011

Louise Aston - Lied einer schlesischen Weberin

Carl Wilhelm Hübner - Die schlesischen Weber



Lied einer schlesischen Weberin


Wenn’s in den Bergen rastet,
Der Mühlbach stärker rauscht,
Der Mond in stummer Klage
Durch’s stille Strohdach lauscht;
Wenn trüb die Lampe flackert
Im Winkel auf den Schrein:
Dann fallen meine Hände
Müd in den Schooß hinein.


So hab’ ich oft gesessen
Bis in die tiefe Nacht,
Geträumt mit offnen Augen,
Weiß nicht, was ich gedacht;
Doch immer heißer fielen
Die Thränen auf die Händ’ –
Gedacht mag ich wohl haben:
Hat’s Elend gar kein End? –


Gestorben ist mein Vater, –
Vor Kurzem war’s ein Jahr –
Wie sanft und selig schlief er
Auf seiner Todtenbahr’!
Der Liebste nahm die Büchse,
Zu helfen in der Noth;
Nicht wieder ist er kommen,
Der Förster schoß ihn todt. –


Es sagen oft die Leute:
»Du bist so jung und schön,
Und doch so bleich und traurig
Sollst du in Schmerz vergehn?« –
»Nicht bleich und auch nicht traurig!«
Wie spricht sich das geschwind
Wo an dem weiten Himmel
Kein Sternlein mehr ich find’!


Der Fabrikant ist kommen,
Sagt mir: »mein Herzenskind,
Wohl weiß ich, wie die Deinen
In Noth und Kummer sind;
Drum willst Du bei mir ruhen
Der Nächte drei und vier,
Sieh’ dieses blanke Goldstück!
Sogleich gehört es Dir!«


Ich wußt’ nicht, was ich hörte –
Sei Himmel du gerecht
Und lasse mir mein Elend,
Nur mache mich nicht schlecht!
O lasse mich nicht sinken!
Fast halt’ ich’s nicht mehr aus,
Seh’ ich die kranke Mutter
Und’s Schwesterlein zu Haus’!


Jetzt ruh’n so still sie alle,
Verloschen ist das Licht,
Nur in der Brust das Wehe,
Die Thränen sind es nicht.
Kannst du, o Gott, nicht helfen,
So lass’ uns lieber gehn,
Wo drunten tief im Thale
Die Trauerbirken steh’n! –


Freischärler-Reminiscenzen von Louise Aston, woraus das Gedicht entnommen wurde, auf ngiyaw eBooks

Sonntag, 20. März 2011

Vittoria Aganoor - Vision

Vincent van Gogh - Vase with fifteen sunflowers



Vision


Ich weiß einen Palast mit alten Mauern,
So traurig, daß er einem Grabe gleicht,
Dem graues Moos vom Grund zum Dache schleicht,
Der Hof ein Efeuwust, wo Nesseln lauern.


Drin hockt ein Mütterchen in Todesruh
Verschrumpft am öden und erloschnen Herde,
Das vor sich hin mit kindischer Gebärde
Ein Märchen lallt — und niemand hört ihm zu.


aus: Weltlyrik, Ein Lebenskreis, Nachdichtungen von Karl Henckell, Die Lese Verlag, München, 1910



Samstag, 19. März 2011

Amalie von Helvig - Den Zaudernden.

Johann Lorenz Kreul - Amalie von Imhoff


Den Zaudernden.

Im Spätjahr 1821. 1




               Vor dem Sclaven, wenn er die Kette bricht,
               Vor dem freien Menschen erzittert nicht.
                                                                                Schiller.




Im Winde treibt der Vogel hin und wieder,
Der Schwalbe Nest reißt vom Gebälk der Sturm;
Hoch über Menschen stürzt der Berg sich nieder,
Und in der Erde Schooß ertrinkt der Wurm.
Dort sinken Hütten, wild vom Schwall ergriffen.
Hier fällt, beschwert mit goldner Frucht der Baum,
Der Straßen Bahn sieht man den Kahn durchschiffen
Und krachend reißt der Elemente Zaum 2


Wer mag dies Toben der Natur uns deuten,
Wie es in Angst des Jahres Lust verkehrt? –
So, bebt der alten Erde Grund, wird Läuten
Von allen Thürmen mahnend auch gehört.
Wenn Schiffbruch sich auf fernem Meer ereignet,
Hallt banger Nothschuß dumpf zum sichern Strand
Und hoch mit ahnungsvollen Gluthen zeichnet
Die Flamme grausend sich am Himmelsrand.


Das Feuer schreckt euch, arme, zage Seelen! –
Doch vor dem Nothruf stopft ihr feig das Ohr.
Und höhnend steigt aus wilden Türkenkehlen
Auf Christen-Leichen Mordgebrüll empor.
Ihr aber stöhnt, mit frömmelnder Geberde,
Gefalt’ne Händ’ im Schooß, ein mystisch Lied;
Indeß von jener blutgetränkten Erde
Der letzte Hoffnungs-Engel weinend flieht.


Wie? – war’s ein Mährchen denn, daß fromme Liebe
Auf’s neu erwacht mit treuer Christenpflicht? –
Und weckten jenes Drängers Geißelhiebe
Euch nur zur Nothwehr, doch zum Mitleid nicht? –
Riß Jener unsre Tempel frevelnd nieder? –
Würgt’ er die Diener Gottes am Altar? –
Und heil’gen Haß doch nannten kühne Lieder
Des Volkes Zorn – der Freiheit ihm gebar.


Und diesen Kampf für Glauben, Heerd und Ehre
Könnt ihr mit müß’gem Achselzucken seh’n? –
Ließ des Vergangnen schwer gewicht’ge Lehre
Euch nicht der Zeiten ernsten Sinn verstehn? –
Daß Jeder sein gemeß’nes Theil behalte,
Im längst verletzt – erträumten Gleichgewicht –
Daß fürder herrisch jedes Meerreich walte,
Beachtet klug ihr, traun! – doch weise nicht.


Unseel’ge Staatskunst, die am Weltreich schnitzelt!
Nichts möglich haltend, was sie nicht erlebt. –
Im Dünkel blind auf Wachs Gesetze kritzelt,
Wenn Noth das ihr in eh’rne Tafeln gräbt.
Wer mag den Schritt des Geistes rückwärts drängen,
In Schlaf ihn wiegen wer – wenn er erwacht? –
Der, gleich dem Strom, den morsche Dämm’ umengen,
Hochschwellend, furchtbar neue Bahn sich macht.


O hört sie nicht, die selbst in goldnen Ketten
So kühl der Völker ehrne Bande sehn! –
Eilt Fürsten, eures Namens Ruhm zu retten! –
Denn ihr lebt fort, wenn Jen’ in Straub vergehn.
Des Heucheleifers Knechtes-Flüstern schrecke
Euch mehr als grader Rede lauter Ton,
Denn fester nicht steht hoch des Himmels Decke,
Als, ruhend auf Gesetz und Recht, der Thron.


Drum hütet euch, der Völker frommen Glauben:
Zu Richtern habe hier euch Gott bestellt –
Durch falscher Wage Schwanken selbst zu rauben,
Wo Aller Wunsch in eine Schale fällt.
Ihr ging’t voran mit hoher Andacht Flamme
Auf’s neu zu weihen Thron dort und Altar –
Und – Heiden würgen, wo vom Kreuzes Stamme
Des Glaubens frühster Strahl gedrungen war? –


Weh. weh dem Zaudern! – wie in Blut ertranken
Des Lenzes Blumen, fault die goldne Saat
Geknickt vom Roßhuf; falb am Boden ranken
Die Reben traublos, wo kein Winzer naht.
Mord heißt die Frucht, die dieses Jahr geboren,
Von Tausenden belegt mit finsterm Fluch.
Ach, hüllt’ es bald, was jeder hat verloren
Mitleidig in ein großes Leichentuch! –


O wie so tief und rührend einverstanden
Bleibst du Natur, mit jedem wahren Schmerz!
Du weinst mit uns, und weit in allen Landen
Versteht dein Trauern, trauernd selbst, das Herz.
Geuß Himmel denn die mächtgen Ströme nieder!
So fällt des Jammers Thrän’ auf öden Sand. –
Doch eine Hand greift durch die Wolken wieder
Und schreibt das Urtheil flammend an die Wand.




Im Morgenblatt. Jahrgang 1822 abgedruckt.
2 Man wird sich der Stürme und Ueberschwemmungen erinnern, die im Spätsommer 1821 Sachsen und Böhmen heimsuchten, wovon besonders Carlsbad der Schauplatz war.


aus: Amalie von Helvig, Sammlung von Gedichten zum Besten der unglücklichen Wittwen und Waisen in Griechenland, Krause Verlag, Berlin, 1826






Freitag, 18. März 2011

Mia Holm - Ich hasse die Sterne

Vincent van Gogh - Sternennacht ueber der Rhone Arles


Ich hasse die Sterne

Ich hasse die Sterne, sie leuchten,
Doch wärmen sie nicht,
So täuschend wie deins und so gleissend
Ihr schimmernd Gesicht.


Ich hasse die Sterne, sie strahlten
In höhnender Ruh,
Da du mich zu Tode getroffen,
Und nickten dazu.


aus: Mia Holm – Verse, Gedichte, Albert Langen Verlag, Paris, Leipzig, München, 1900

Mia Holm - Frühlingszauber

Harald Reiter - Frühling am Fluss (copyright Harald Reiter)



Frühlingszauber


Der Frühling springt zu mir herein
Durchs offne Fenster,
Da fliehn vor seinem hellen Schein
Die Sorgen wie Gespenster.


Verwundert streift sein blauer Blick
Die grauen Wände,
Verzaubert alles mit Geschick
In grünende Gelände.


Das Sonnenstrahlenfeuer rinnt
In dunkle Wälder,
Und duftbeladen geht der Wind
Geräuschlos durch die Felder.


aus: Mia Holm – Verse, Gedichte, Albert Langen Verlag, Paris, Leipzig, München, 1900

Mittwoch, 16. März 2011

Cäcilie Zeller - Welle und Licht.

Edgar Degas - Drei Tänzerinnen



Welle und Licht.


Höre das sehnsüchtig lockende Rauschen,
Lausche der suchenden, schwellenden Flut!
Will mit dem Licht sich die Welle vertauschen?
Ach, in der Höhe da weilet das Licht,
– Wallendes Meer, du ersehnest es nicht!


Sieh’, da umkränzt sich mit goldenen Strahlen
Lächelnd und liebend der glänzende Mond;
Still in der Tiefe sein Bildniß zu malen,
Küssen sie spielend die selige Braut,
Haben das Licht mit der Welle vertraut.


Ist nicht der Liebe die Sehnsucht gegeben?
Sie ist der Strahl aus dem himmlischen Stern;
Doch nur die Treue verleiht ihr das Leben,
Die das Entfernte verlangend begrüßt,
Auch das verlorne Geliebte umschließt.


Aus: Cäcilie Zeller, Aus den Papieren einer Verborgenen, Leipzig F. A. Brockhaus 1847



Cäcilie Zeller - Liebe und Leid

Antoine Watteau - Gersaints Ladenschild (Detail)


Liebe und Leid


1. Frage


Weißt du, wie Lieb' im Leiden,
Wie Leid in Liebe ist?
Wie kann die beiden scheiden,
Wer ihre Tiefen mißt?


Heiß brennt der Liebe Sehnen,
Thut tief im Herzen weh;
Noch heißer ihre Thränen,
Wo Sünd' in Lieb' ich seh'.


Ach Liebe, Lieb' und Friede
Wohnt nur in Himmelshöh';
Ich bin vor Heimweh müde
Nach Liebe ohne Weh'! 


2. Antwort


In Einem hat die Liebe Leid getragen,
Drum darf die Liebe nie vor Leiden zagen;
In Einem war das Leiden Lieb' erfüllt,
Drum sich nun stets das Leid in Liebe stillt.
Was man auf Erden liebt,
Das leidet noch auf Erden;
Drum wird die Liebe hier
Nie frei von Leiden werden.
Der bittre Sündenstreit
Trübt nur, die himmlisch lieben;
Soll nun die Sünde nicht
Durch Liebe doppelt trüben?
Doch selig sind die Schmerzen und die Reue,
Die nie gereu'n, und selig ist die Treue,
Die leidend liebt und liebend willig leidet -
Bis einst der Herr von Liebe Leiden scheidet! 


Aus: Cäcilie Zeller, Aus den Papieren einer Verborgenen, Leipzig F. A. Brockhaus 1847




Maria von Plessen - Die Schwäne

Caspar David Friedrich - Schwäne im Schilf



Die Schwäne.


Hört ihr es wohl aus weiter Ferne klingen?
Das sind die Schwäne, die den Abschied singen.
Ist euch der weiche Klagelaut bekannt?
Sie ziehen trauernd in ein schönres Land.


Weit wird ihr Fittig sie gen Süden tragen;
D’rum singen sie von ihren Wonnetagen,
Von ihres kurzen Sommers heißem Glück.
Sie ziehn dahin – sie kehren nicht zurück!


Und habt ihr wohl des Schwanes Ruf verstanden,
Der einsam sich von seinen Brüdern schied?
Er lös’te blutend sich aus seinen Banden,
Und seine Klage war sein letztes Lied.


aus: Maria von Plessen, Gedichte, Verlag der C. Kürschner’schen Buchhandlung, Schwerin, 1847



Marie Eugenie Delle Grazie - Gespenster des Palatin.

Van Gogh - Sternennacht



Gespenster des Palatin.


Wenn blitzend durch die Nacht die Sterne gehen,
Dann steigt aus kühlem Marmorsarkophag
Augustus – und ein Traum läßt ihm erstehen
Das stolze Rom, das ihm zu Füßen lag.
Und weiter noch, befreit von Leibesbanden
Und Fesseln dringt sein leuchtend Augenpaar,
Nach allen Meeren schweift es, allen Landen,
Die goldig einst umkreist der Römeraar.
Der Ocean wiegt stöhnend seine Flotten,
Eunuchisch bebt vor ihm das Morgenland,
Und selbst der Cimbern ungezähmte Rotten
Bedräut gewaltig des Erob’rers Land!
Doch ob, was er mit so viel Blut gekittet
Auch dauern wird, so festgefügt wie nun?
Sein Ehrgeiz ist’s, der zu den Göttern bittet:
»Laßt in die Zukunft einen Blick mich thun!
Laßt einen meiner spätern Throngenossen
Mich sehen und damit auch Rom’s Geschick,
Ja, einen künftigen Cäsarensprossen,
Ihr, E’wge, zaubert ihn vor meinen Blick!«


Augustus ruft’s: und sieh, mit einem Male
Erglänzt vor ihm am stillen Tiberstrom
Geheimnisvoll im blauen Mondesstrahle
Die hehre, künft’ge Marmorfürstin Rom!


Ihr Diadem: die Zinnen ihrer Mauern,
Das Forum selbst ein leuchtend Gürtelband,
Und wenn am Esquilin auch Helden trauern,
Noch blickt der Palatin wie einst in’s Land!
Wie einst? Ha nein! Wohl ist’s der alte Hügel,
Doch prunkend reiht Palast sich an Palast,
Als Führer dient die Pracht mit gold’nem Flügel,
Doch ewig neu, gönnt kaum dem Blick sie Rast.
Ein schimmernd Labyrinth von Säulenhallen
Wächst vor dem Aug’ des Staunenden empor,
Und stolz, bezaubert will er sie durchwallen, –
Da schallt ein dumpfes Stöhnen an sein Ohr,
Und knirschend rast aus einem Schlafgemache
Ein Jüngling, zerrt den Purpur schnöd’ nach sich,
Sein gläsern Auge führt des Thieres Sprache,
Von seinen Lippen schäumt der Wütherich – –
Caligula!


          »Ha, blutbefleckte Schatten,«
Ergrimmt er – »laßt ihr noch nicht ab von mir?
Ihr könnt mich hetzen, aber nicht ermatten –
Ein Gott und Rom’s Gebieter steh’ ich hier!
Hihi, du Priester, laß das grause Nicken,
Mein Beil traf dich und nicht den Opferstier, –
Ich that es mit Bedacht: aus Menschenblicken
Klagt Schmerz und Geist – zu blöd stirbt nur das Thier!
Und ihr, ihr Jungfrau’n all’, die meine Liebe
Und Grausamkeit zugleich genoß – o Spott!
Was droht auch ihr so wimmernd, blaß und trübe?
Nicht ungestraft umarmt man einen Gott!
Ja, könnten sie mich jetzt mit Händen fassen,
Mit Händen, wie ich, Cäsar sie noch hab’,
All’ meine Opfer, all’ die blut’gen Massen,
Die ich gethürmt – sie zerrten mich in’s Grab
Allein das fasle ich als Thor: unsterblich
Gleich all den andern Göttern muß ich sein,
Dem Tode unerreichbar, unverderblich
Und immer wach als Cäsar – doch – o nein!
Was sag’ ich wieder? Nimmermehr! Beim Namen
Des Stir! ich will ja eine einz’ge Nacht
Nur wieder schlafen können – heil’ger Samen
Des Schlummers, o erquick’ mich! lös’ die Pracht
Und faule Götterwürd’ von meinen Gliedern,
Und dir allein will ich Altäre weihn,
Und knechtisch Traumgott mich vor dir ermiedern,
Vor dir, du Süßer, Grausamer allein!«


Er heult’s, aus seinen Augen stürzen Thränen,
Er schluchzt und klagt, doch nimmer wird ihm Ruh,
Und keine Nacht erfüllt sein brennend Sehnen;
Da stürzt er schäumend seinen Gärten zu,
Und über ihre marmornen Gelände
Sich beugend, schreit er nach der Flammengluth
Des Morgenrothes, nach der Taumelspende
Des Mohns und dem, was Rom gekittet: Blut! –


Entsetzt und bebend steht der Heldenschatten
August’s – doch was er auch an Schmach geseh’n,
Nicht ließ es seinen edlen Stolz ermatten,
Und heißer, inniger nur tönt sein Fleh’n:
»Ihr Ewigen! wenn reine Opfergaben
Euch je erfreut im Lauf des Zeitenstroms,
Dann zeigt, eh Morgennebel mich begraben,
Noch eines mir: Den letzten Cäsar Rom’s!«


Und sieh, da wächst mit leuchtendem Gefunkel
Ein riesenhaftes Kreuz zu ihn hinan,
Gleich einer Sonne strahlt es durch das Dunkel
Und dorngekrönt starrt ihn der Heiland an –
Mit einem Schrei des Wahnsinns und der Trauer
Zerfließt des Cäsars bleiche Spukgestalt,
Um Roma’s Hügel wehn die Morgenschauer,
Ein wundersamer Glockenchor erschallt;


Und wie die Sonne nun zum ew’gen Feste
Des Tages naht, vom Rand des Weltendoms:
Zertrümmert liegen ringsum die Paläste,
Und sieghaft glühn die tausend Kreuze Rom’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel verlag, Leipzig, 1892





Johanna Beckmann - Hexen-Schuß

Hexen-Schuß An der grünenden Linden War er zu Haus. Das Glück wollt' er finden Und wanderte aus. Unter'm Hexen-Besen-Baum...