Cäcilie Zeller - Welle und Licht.

Edgar Degas - Drei Tänzerinnen



Welle und Licht.


Höre das sehnsüchtig lockende Rauschen,
Lausche der suchenden, schwellenden Flut!
Will mit dem Licht sich die Welle vertauschen?
Ach, in der Höhe da weilet das Licht,
– Wallendes Meer, du ersehnest es nicht!


Sieh’, da umkränzt sich mit goldenen Strahlen
Lächelnd und liebend der glänzende Mond;
Still in der Tiefe sein Bildniß zu malen,
Küssen sie spielend die selige Braut,
Haben das Licht mit der Welle vertraut.


Ist nicht der Liebe die Sehnsucht gegeben?
Sie ist der Strahl aus dem himmlischen Stern;
Doch nur die Treue verleiht ihr das Leben,
Die das Entfernte verlangend begrüßt,
Auch das verlorne Geliebte umschließt.


Aus: Cäcilie Zeller, Aus den Papieren einer Verborgenen, Leipzig F. A. Brockhaus 1847



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