Frida Bettingen - Der Zaubergarten

Claude Monet - Mädchen mit Schirm



Der Zaubergarten

Herbstnebel dampft.
Aber ich stehe in meinem Zaubergarten.

Auf den mattbesonnten Terrassen
knien die Schleppenträger des Sommers.

purpurn, prangend.

Bald wird die Nacht ihre seidnen Kehlen zerdrücken.

Aber wer wird trauern,
wenn Gottes Nachtigallen
in Rauhreif und blindem Strauchwerk wohnen.

Sie singen.
Oh, wie sie singen!
Tausendfarbig sprüht der wolkige Morgen auf.
Alle Goldaugen spiegeln sich ein in mein Herz.

O Himmelsbürde!
Gott, wie beschenkst Du mich!

Ich stehe im Himmel Deiner Liebe.

aus: Frida Bettingen, Gedichte, Georg Müller, München, 1922



Beliebte Posts aus diesem Blog

Johanna Beckmann - Die sterbende Geduld

Herta Graf - Venedig

Margarete Beutler - Und doch