Frida Bettingen - Psyche

Guillaume-Seignac - The Awakening of Psyche 



Psyche


Immer zarter denk ich an Dich
               Rosenhaus.

Wo jetzt vielleicht schon
die Küsse der Erde,
sanfter bewegt,
wie im brausenden Frühling
               erwachen.

Über Schmelz und Ahnen
der ruhig atmenden Gärten
               schwebe ich.

Braun und entblättert
schwanken die Nester
               der Zaunkönige.

Und im gläsernen Sarge
               des Rauhreifs,
          der Mandelbaum schläft.

Ruhevoll schwebe ich.

Sieh, alle Anmut
zärtlich verhaltener Liebe
               schenkte ich Dir.

               Ich entschwebe.

Aber ich weiß mit süßer
               Gewißheit,
daß mein Name lauteren Goldes
               geschrieben steht,
im Herzen des Freundes.

Alles war nur ein Traum,
               Rosenhaus!

Liebes, liebes Rosenhaus.


aus: Frida Bettingen, Gedichte, Georg Müller, München, 1922



Beliebte Posts aus diesem Blog

Johanna Beckmann - Die sterbende Geduld

Herta Graf - Venedig

Margarete Beutler - Und doch