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Ottilie Wildermuth - Feuerwehr

Eugene Burnand - Feuersnot



Feuerwehr


Was sollen die Männer in dunkeln Gewand
Und der Helme leuchtendes Blinken?
Wohl tragen das Beil sie als Wehre zur Hand,
Doch seh’ ich kein Schwert an der Linken;
Vorbei sind die Kriege, vorüber der Streit,
Welch müßiges Spielen in thatloser Zeit?


Wohl ziehen wir nicht hinaus in die Schlacht
Unter blutrothem Kriegessterne; –
Die stillen Thaten, die wir vollbracht,
Sie dringen nicht in die Ferne.
Doch ob wir zum Kampf nicht, zum blutigen, gehn,
Wir lernten dem Tode in’s Auge seh’n.


Wo die Flamme lodert entsetzlich hell,
Der grausen Zerstörung Zeichen, –
Soldaten des Friedens, wir rüsten uns schnell,
Ob Weib und Kind auch erbleichen.
Nicht gilt es zu tödten in Jammer und Harm,
Zu retten gilt es mit starkem Arm.


Ob der brennende Balken droht unter dem Dach,
Ob Rauch uns und Flammen umringen,
Wir brechen uns durch in’s bedrohte Gemach,
Der Mutter ihr Kindlein zu bringen.
In der höchsten Gefahr und Todesnoth
Da sind wir die Retter vom grausigen Tod.


Drum wenn ihr euch leget auf weichen Pfühl,
Der friedlichen Ruhe zu pflegen,
So nennt unser Treiben kein müßig Spiel
Und bittet um Schutz Ihn und Segen;
Legt Seele und Leib in des Ewigen Hand,
Der als rettende Engel auch Menschen gesandt!


aus: Ottilie Wildermuth, Mein Liederbuch, Hrsg. Agnes Willms, Verlag Gebrüder Kröner, Stuttgart, 1868







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Johanna Beckmann - Die sterbende Geduld

Die sterbende Geduld

Ich  ging in Liebe und Leid den Weg.
Wieder und wieder fragt ich um Ruh
Viel hundertmal.
Keiner hatte Erbarmen.

Leben du —
Warum quälst du die Seele zu Tod
Jeden Tag, jede Nacht —
Und senktest so tief
Ein warm Verlangen
Wie träumenden Samen
Fragend still
In der Seele Tiefen?

Ich habe gewollt,
Es war zu schwer.
Laß mich sterben!
Ich kann nicht mehr.

Aus: Johanna Beckmann, Traum und Tat, Gedanken und Schattenbilder, Rösl und Cie., München, o. J.



Herta Graf - Venedig

Venedig

Im Salzhauch der Winde zerbröckeln
die Spitzengewirke aus Stein,
mit denen die Serenissima
sich schmückte, als ihre Galeassen
unter San Marcos
rotgoldenem Löwenbanner
die Adria beherrschten;


noch immer voll Grazie
wiegt sich der Totentanz
der Paläste und Kirchen
am Kanal Grande,
dunkel widerspiegelnd den Abglanz
vergangener, ruhmreicher Tage;


unruhvoll bebt die Lagune
im Pulsschlag des Meeres,
von Marghera vergiftet
bis ins Mark;


o sterbende Stadt,
die schönste der Erde;
der Mensch aber sucht Kontakt
zu fernen Planeten.




Aus: Labile Harmonien. Schwäbisch Gmünd: Einhorn-Verlag 1994, S. 23. In den Band aufgenommen wurden 50 Gedichte, die aufgrund einer 1993 erfolgten Ausschreibung aus 327 Eingesandten von einer Jury ausgewählt wurden.
Herta Graf (1911-1997)


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Copyright holder Klaus Graf (Wikipedia Commons)




Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
Daß sie mich tragen, ihre Königin!
Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
Kühn lebt mein Heute, müde schläft mein Gestern —
Mich trennen Welten jetzt von meinen Schwestern!

Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
Ich sehne mich nach einem wilden Sehnen,
Ich sehne mich nach schw…