Ite Liebenthal - Es ist so schwer, für einen Schmerz zu danken ...




Es ist so schwer, für einen Schmerz zu danken
und Liebe glauben, wo uns Leid geschah
und Hände heiligen, in deren schlanken
und kühlen Fingern man die Geißel sah.


So fordre nicht von mir, daß ich nicht weine,
wenn mich dein Segen hart wie Fluch bedünkt,
wenn sich dem stumpfen Geist nicht gleich im Scheine
des neuen Lichtes diese Welt verjüngt


So zürne nicht daß ich den Kranz noch hege,
den ich getragen, der noch nicht zerfiel.
Bald streu ich ihn vor dir zum Staub und lege
in deine Hände auch das letzte Spiel.


aus: Ite Liebenthal, Gedichte, Erich Lichtenstein Verlag, Jena, 1921



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