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Es werden Posts vom Juni, 2011 angezeigt.

Annette Freiin von Droste-Hülshoff - Mondesaufgang

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Mondesaufgang.

An des Balkones Gitter lehnte ich
Und wartete, du mildes Licht, auf dich;
Hoch über mir gleich trübem Eiskristalle
Zerschmolzen schwamm des Firmamentes Halle;
Grauschimmernd lag der See mit leisem Stöhnen,
Zerfloßne Perlen, oder Wolkenthränen?
Es rieselte, es dämmerte um mich;
Du mildes Licht, ich wartete auf dich.


Hoch stand ich, neben mir der Linden Kamm,
Tief unter mir Gezweige, Ast und Stamm,
Im Laube summte der Phalänen Reigen,
Die Feuerfliege sah ich zieh'n und steigen,
Und Blüten taumelten wie halb entschlafen;
Mir war, als treibe hier ein Herz zum Hafen,
Ein Herz, das übervoll von Glück und Leid
Und Bildern seliger Vergangenheit.


Die Schatten stiegen, drängten finster ein;
Wo weilst du, weilst du denn mein milder Schein?
Sie drangen ein wie sündige Gedanken,
Des Firmamentes Woge schien zu schwanken;
Verzitternd losch der Feuerfliege Funken,
Längst die Phaläne war zum Grund gesunken;
Nur Bergeshäupter stiegen hart empor,
Ein düstrer Richterkreis im Düster vor.


Es visperten die Wipfel…

Thekla Schneider - Der Zigeunerin Prophezeiung am Hochzeitstag

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Der Zigeunerin Prophezeiung am Hochzeitstag

Komm vom fernen Ungarland,
Um zu lesen in der Hand
Dieser Braut, am Hochzeitstag,
Was die Zeit ihr bringen mag.
Müsset euch nicht vor mir scheun,
Weil ich ihr will prophezei'n;
In der Hand kenn ich den Zug –
Meine Kunst ist kein Betrug.
Denn mir ward der Zukunft Schacht
Von den Geistern aufgemacht.


Eilet, eilet aus dem Schilf,
Zauberschwestern mir zur Hilf!
Komm', o komm, du dunkle Schaar,
Dreh' dich um das Hochzeitspaar,
Daß ihr Loos, geheimnißvoll,
Sich vor meinem Geist entroll'!
Dieses Zauberstabes Kraft
Alle meine Wunder schafft.


Reiche mir nun deine Hand
Bin ich dir auch unbekannt. –
Also les' ich hier den Stern,
Den ich immer sah so gern;
Er bedeutet Heil und Glück,
Wahrt vor manchem Mißgeschick.
Diese Linie sagt mir gleich,
Daß dein Herz an Liebe reich.
Wenn du schließest alle Zeit
Wie du hast versprochen heut',
In die Brust dies Kleinod ein,
Wird voll Glück dein Leben sein!


Dieser Zug hier prophezeit
Daß du liebst die Fröhlichkeit;
Frohsinn i…

Maria Janitschek - Pfingstgedanken

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Pfingstgedanken
Sucht nicht nach stolzen Worten für das Hohe,
Das stillste Gleichnis gibt sein treueres Bild,
Nicht in des Blitzes greller Flammenlohe,
Im sanften Säuseln kam Jehova mild.

Ein Arbeitsmann im Kittel rauh und schlicht,
Schuf Christus seinen großen Geistesbau,
Nicht Gold ist’s, das die Heldenstirn umflicht,
Nur junger Lorbeer aus der Frühlingsau.
Nicht stolzem Wissen ward das Paradies,
Die Einfalt führt zu ihm, der Kinderglaube,
Nicht zeptertragend, nicht im goldnem Vließ,
Erschien der Geist, er kam als schlichte Taube.



aus: Maria Janitschek, Gedichte,  J. Hermann Herz G.m.b.H., Berlin, 1917

Ada Christen - Im Frühling

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Im Frühling.


Soll ich Euch singen das alte Lied
Von Jugend, Frühling und Rosen?
Soll ich Euch schildern mit süßem Wort
Das Sprießen, Knospen und Kosen?
Ihr höret, sehet und fühlt es nicht,
Wenn Dichter auch rührend leiern,
Daß wieder einmal die Wiese grünt,
Die Winterstürme nun feiern.
Als Gottesfriede und Frühlingsluft
Durch alle Welten gezogen,
Habt Ihr, wie am schmutzigsten Wintertag,
Geschachert doch nur und betrogen!


aus: Ada Christen, Aus der Asche, Neue Gedichte, Hoffmann & Campe, Hamburg, 1870



Sophie Mereau - Frühling

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Frühling.

     Düfte wallen – Tausend frohe Stimmen
Jauchzen in den Lüften um mich her,
Die verjüngten trunknen Wesen schwimmen
Aufgelöst in einem Wonnemeer.


     Welche Klarheit, welches Licht entfließet
Lebensvoll der glühenden Natur!
Festlich glänzt der Aether, und umschließet,
Wie die Braut der Bräutigam, die Flur.


     Leben rauscht von allen Blüthenzweigen,
Regt sich einsam unter Sumpf und Moor,
Quillt, so hoch die öden Gipfel steigen,
Emsig zwischen Fels und Sand hervor.


     Welch ein zarter, wunderbarer Schimmer
Ueberstrahlt den jungen Blüthenhain!
Und auf Bergen um verfallne Trümmer
Buhlt und lächelt milder Sonnenschein.


     Dort auf schlanken, silberweißen Füßen
Weht und wogt der Birken zartes Grün,
Und die leichten, hellen Zweige fließen
Freudig durch den lauen Luftstrom hin.


     In ein Meer von süßer Lust versenket,
Wallt die Seele staunend auf und ab,
Stürzt von frohen Ahndungen getränket,
Sich im Taumel des Gefühls hinab.


     Liebe hat die Wesen neu gestaltet,
Ihre Gottheit überstrahlt auch m…

Lucy Guttzeit - Klage um einen toten Kakadu

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Klage um einen toten Kakadu.
Ach! wo nehm’ ich Worte her, zu klagen Um den toten schönen Kakadu? Fern aus China, über’s Meer getragen, Kam er unserm kalten Norden zu.
Armer Vogel, konntest hier nicht leben, Ach! dir fehlte deiner Heimat Luft, Konntest frei nicht in der Sonne schweben, Über Gärten, voller Blütenduft.
Leicht beschwingt mit schneeigem Gefieder, Warst du glücklich in der Mitte Reich, Blicktest stolz aus hohen Palmen nieder, Wiegtest dich im würz’gen Teegesträuch.
Aber grausam wurdest du gefangen, Fortgerissen aus der Brüder Schar, Mußtest lang im engen Schiffe hangen, Wo ein Käfig deine Wohnung war.
Und als du nun nahtest unserm Norden, Als du kamst in unser kaltes Land, Ach! da ist es dir zum Grab geworden, Und du liegst nun tot in meiner Hand.
Jetzt wird kalte Erde dich bedecken, Kalter Schnee, den niemals du geseh’n, Keine Sonne mehr wird dich erwecken Und kein Lenz für dich mehr neu ersteh’n.
Nimm ihn auf denn, treue Mutter Erde, Deinen schönen Sohn aus fernem Land, …

Hildegard Voigt - Susanna

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Susanna
Du schmiegest um den kleinen Becher sacht deine feine, bleiche Hand, wie sich dein Mund, ein müder Zecher, ftill neigt auf den kristallnen Rand.
Aus deiner Augen ernstem Lächeln winkt jeder Blick im Abschiedsgruß, und um uns rauscht im düstern Fächeln nachtschwarz ein unerbittlich »Muß«.
Dein schönes Haupt, das todgeweihte, schmiegt sich an meine Schulter lind, still setzt den Becher ich zur Seite, still ruhst du, wie ein müdes Kind.
So schweigen Zwei, weil Beide wissen! Es bebt mein Herz in Trennungsnot. Mir bleibt das ewige Vermissen, du lächelst nu, stark wie der Tod.
aus: Hildegard Voigt, Dornenkinder, Norddeutscher Verlag für Literatur und Kunst, Stettin, 1919