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Lucy Guttzeit - Klage um einen toten Kakadu

Nach einem Gemälde von Conrad Kiesel -  Manuela
stehende junge Spanierin lockt einen Kakadu
auf ihre Hand - signiert: E. Hermann



Klage um einen toten Kakadu.

Ach! wo nehm’ ich Worte her, zu klagen
Um den toten schönen Kakadu?
Fern aus China, über’s Meer getragen,
Kam er unserm kalten Norden zu.

Armer Vogel, konntest hier nicht leben,
Ach! dir fehlte deiner Heimat Luft,
Konntest frei nicht in der Sonne schweben,
Über Gärten, voller Blütenduft.

Leicht beschwingt mit schneeigem Gefieder,
Warst du glücklich in der Mitte Reich,
Blicktest stolz aus hohen Palmen nieder,
Wiegtest dich im würz’gen Teegesträuch.

Aber grausam wurdest du gefangen,
Fortgerissen aus der Brüder Schar,
Mußtest lang im engen Schiffe hangen,
Wo ein Käfig deine Wohnung war.

Und als du nun nahtest unserm Norden,
Als du kamst in unser kaltes Land,
Ach! da ist es dir zum Grab geworden,
Und du liegst nun tot in meiner Hand.

Jetzt wird kalte Erde dich bedecken,
Kalter Schnee, den niemals du geseh’n,
Keine Sonne mehr wird dich erwecken
Und kein Lenz für dich mehr neu ersteh’n.

Nimm ihn auf denn, treue Mutter Erde,
Deinen schönen Sohn aus fernem Land,
Kleide, daß sein Grab geschmücket werde,
Sprossend neu dich in ein bunt Gewand!

Auf, ihr lust’gen Sänger, kehret wieder,
Laßt auf diesen Hügel euch herab,
Und du flöte deine Klagelieder,
Philomele, hier an diesem Grab!

aus: Johannes Guttzeit, Unmoderne Gedichte, Verlag von Wilh. Besser, Leipzig, 1897



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Johanna Beckmann - Die sterbende Geduld

Die sterbende Geduld

Ich  ging in Liebe und Leid den Weg.
Wieder und wieder fragt ich um Ruh
Viel hundertmal.
Keiner hatte Erbarmen.

Leben du —
Warum quälst du die Seele zu Tod
Jeden Tag, jede Nacht —
Und senktest so tief
Ein warm Verlangen
Wie träumenden Samen
Fragend still
In der Seele Tiefen?

Ich habe gewollt,
Es war zu schwer.
Laß mich sterben!
Ich kann nicht mehr.

Aus: Johanna Beckmann, Traum und Tat, Gedanken und Schattenbilder, Rösl und Cie., München, o. J.



Herta Graf - Venedig

Venedig

Im Salzhauch der Winde zerbröckeln
die Spitzengewirke aus Stein,
mit denen die Serenissima
sich schmückte, als ihre Galeassen
unter San Marcos
rotgoldenem Löwenbanner
die Adria beherrschten;


noch immer voll Grazie
wiegt sich der Totentanz
der Paläste und Kirchen
am Kanal Grande,
dunkel widerspiegelnd den Abglanz
vergangener, ruhmreicher Tage;


unruhvoll bebt die Lagune
im Pulsschlag des Meeres,
von Marghera vergiftet
bis ins Mark;


o sterbende Stadt,
die schönste der Erde;
der Mensch aber sucht Kontakt
zu fernen Planeten.




Aus: Labile Harmonien. Schwäbisch Gmünd: Einhorn-Verlag 1994, S. 23. In den Band aufgenommen wurden 50 Gedichte, die aufgrund einer 1993 erfolgten Ausschreibung aus 327 Eingesandten von einer Jury ausgewählt wurden.
Herta Graf (1911-1997)


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Copyright holder Klaus Graf (Wikipedia Commons)




Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
Daß sie mich tragen, ihre Königin!
Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
Kühn lebt mein Heute, müde schläft mein Gestern —
Mich trennen Welten jetzt von meinen Schwestern!

Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
Ich sehne mich nach einem wilden Sehnen,
Ich sehne mich nach schw…