Elisabeth Janstein - Liebe

Unbekannter ungarischer Maler

LIEBE


Demütig will ich sein und dienen?
Sind Wünsche, die wie Flammen schienen,
Vor diesem einen Wunsch verweht?


Das Haupt, das sich in Wolken wähnte
Und aller Taten Krone sehnte,
Das jetzt im Sturm der Liebe steht —


Die Hände, die sich zornig ballten
Um Schwert und Fahnenschaft zu halten,
Sind wie ein Becher aufgetan.


Wann steigt dein Durst zu meinem nieder,
Wann beugst du langsam deine Glieder
Und fängst voll Lust zu trinken an?


Aus: Elisabeth Janstein, Die Landung, Drei Masken Verlag, München, 1921


Elisabeth Jenny von Janstein - 19. Oktober 1893, Iglau -  31. Dezember 1944, Winchcombe - war eine deutsche Dichterin und Journalistin.



Beliebte Posts aus diesem Blog

Johanna Beckmann - Die sterbende Geduld

Herta Graf - Venedig

Margarete Beutler - Und doch