Liddy Richter – Sehnsucht

Pietro Antonio Graf Rotari – Magdalena

Liddy Richter – Sehnsucht.


Die Sehnsucht winkt mir aus des Himmels Blau,
Sie flüstert in der Lüfte wildem Wehen;
Die Blume duftet sie im Morgentau;
Sie klingt gar leis aus Nachtigallenflehen.


Die Sonne glüht sie scheidend noch ins Thal,
Im Waldesdunkel rauschen sie die Quellen,
Mit goldnem Griffel schreibt der Mondesstrahl
Sie zitternd auf des stillen Sees Wellen.


Im Himmel leuchtet sie die Sternenpracht
Geheimnisvoll in sommernächt'ger Stunde;
Doch grüßt sie mich mit ihrer Macht
Erst aus des Menschenauges tiefem Grunde.


aus: Dichterklänge, Neue deutsche Lyrik für Herz und Haus, Herausgegeben von Hermine Freiin von Gellenberg, Gustav Flock Verlag, Leipzig, o. J. [1906]



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