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Es werden Posts vom März, 2012 angezeigt.

Johanne Juliane Schubert - Dort erst ist vollkommne Freundschaft

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Dort erst ist vollkommne Freundschaft.


Ach, es ist hienieden
Kein vollkommnes Glück!
Frohe Stunden trübet
Oft ein Augenblick.


Wahre Freundschaft schwindet
Immer mehr und mehr;
Edle Seelen sehnen
Sich umsonst nach ihr.


Stolz und Leichtsinn schleichen
Unvermerkt sich ein:
Dieser edlen Tugend
Freuden zu entweihn.


Neid und Mißgunst trennen
Oft das schönste Band,
Das die Freundschaft knüpfte
An der Tugend Hand.


Edler Wunsch nach Freundschaft!
Wenn wirst du erfüllt?
Und o stilles Sehnen!
Völlig mir gestillt?


Dort in jenem Lande
Der Vollkommenheit
Wirds einst besser werden,
Dort ist Seligkeit.


Dort, wo höh're Wesen
Sich der Freundschaft weihn
Werd auch ich einst ewig
Ihres Glücks mich freun.


Dort, wird nie ein Stöhrer
Sel'ger Freundschaft seyn!
Und zum Himmel gehet
Nicht der Leichtsinn ein.



Dort erst ist der Freundschaft
Wahres Vaterland,
Dort erst wird die Größe
Ihres Werths bekannt.


Sei getrost, o Seele!
Unter Spott und Neid:
Einst wirds besser werden
In der Ewigkeit!


aus: Gedichte der Webers-Frau Johanne Juliane Schubert…

Ilse von Stach - Traum

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Traum.

Tief unten am Grunde im Waldessee
Da rauschen die Wogen, da flüstert die Flut;
Und ich denke an längst vergangenes Weh,
An entschwundenes Glück, an verlöschte Glut.


In den Zweigen flüstert der Eichenbaum;
Ein Brausen geht durch den Hain;
In kommende Zeit trägt mich fort ein Traum,
Und da werde ich glücklich sein.


Aus: Ilse Stach von Goltzheim, Wer kann dafür, daß seines Frühlings Lüfte weh'n!, E. Pierson's Verlag, Dresden und Leipzig, 1898



Ilse von Stach - Das Märchen am Rhein

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Das Märchen am Rhein


Nebelschleier decken sanft die Wogen,
Ruhig fließt des Rheines grüne Flut,
Und am hohen, fernen Himmelsbogen
Strahlt der Sonne letzte Feuerglut.


Nebelschleier hüllen Fels und Auen
In ihr geisterhaftes, bleiches Kleid;
Aus der Abenddämmerung, der grauen,
Steigt ein Bild aus längst vergessʼner Zeit.


Brausend teilen sich des Rheines Wellen,
Aus den Fluten steigt, mit Schwert und Kronʼ,
Mit dem herrlich goldʼnen Schild, dem hellen,
Auf des Rheines junger Königssohn.


Blitzend ist sein Augʼ, wie Feuergluten,
Und sein Haar erglänzt wie lauter Licht,
— Kühl und gleitend sind des Rheines Fluten,
Eine Menschenseele hat er nicht.


Einsam dort im Boote auf dem Rheine
Steht die Jungfrau, stumm und totenbleich,
Nur ihr Auge strahlt im Abendscheine,
Einem Funken roten Feuers gleich:


»Weibesliebe kannst Du nicht ergründen,
Eines Weibes Opfer kennst Du nicht,
Doch auch Du wirst eine Seele finden,
Wenn für Dich mein Herz im Tode bricht.


Und zum klaren Abendstern, dem hellen,
Hebt sie leuchtend den verzückten…

Gina Ranjicic - Ob ich in der Zukunft wohl noch Liebe finde

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Kay kamuvel mange yek baçtale kora,
Kay kamuven mange luludya sungola?
Pucav, uva mange niko rakkeravel;
Kas me bute kamdyom, merdyas tai na avel.
Kamav me the jial! dolmut me gelyomas,
Andre bare cika mire rosa perdyas!
Pal handako mukav, kas me bute kamdyom?
Andre phuv tai cero pocipen na thʼrakyom.
Kana me gindinav, isom but rovilyi:
Voyakri kamaben nani me avilyi!
Ke, so man nay traden? ke, so man nay silen?
So kerel manʼ briga, so kerel asapen? —
Sakofeles kerdyas oh, romano jipen!




Ob ich in der Zukunft wohl noch Liebe finde,
Ob noch Blumen spriessen, mir zuduftend linde?
Niemand auf die Frage wird mir Antwort geben,
Denn mit meinem Liebsten starb auch hin mein Leben.
Gehen möchtʼ ich, wohin nie ein Mensch geriet;
Kann nicht, denn mein Herz zum Liebsten hin mich zieht!
Hier liegt ja begraben, was ich je besessen,
Und ich kann dies nie im Leben, nie vergessen!
Weinen muss ich immer, wenn daran ich denke,
Dass ich meine Liebʼ stets in das Nichts versenke!
Wer treibt mich von hinnen? was lockt mich ins Fe…

Maria do Ceo - Sterbend aus Liebe

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Sterbend aus Liebe.

Holt mir Blütentriebe,
Denn ich sterb' aus Liebe.


Überdeckt mich doch mit Blüten,
Dass die Liebe nicht im Winde
             Entschwinde;
Thut es; weiss ja doch ein Jeder,
Dass wie Blütenduft zerstiebe
Die Liebe.


Sorget, dass ich bald als Bahrtuch
Lilien und Jasmin erwerbe;
Ich sterbe;
Fragt ihr mich: Woran? — Es wollte,
Dass kein Hoffen mir verbliebe,
Die Liebe.


Aus: Aus Portugal und Brasilien (1250-1890) Ausgewählte Gedichte verdeutscht von Wilhelm Storck, Münster i. W., 1892