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Gina Ranjicic - Ob ich in der Zukunft wohl noch Liebe finde

Otto Müller - Junge Zigeunerin



Kay kamuvel mange yek baçtale kora,
Kay kamuven mange luludya sungola?
Pucav, uva mange niko rakkeravel;
Kas me bute kamdyom, merdyas tai na avel.
Kamav me the jial! dolmut me gelyomas,
Andre bare cika mire rosa perdyas!
Pal handako mukav, kas me bute kamdyom?
Andre phuv tai cero pocipen na thʼrakyom.
Kana me gindinav, isom but rovilyi:
Voyakri kamaben nani me avilyi!
Ke, so man nay traden? ke, so man nay silen?
So kerel manʼ briga, so kerel asapen? —
Sakofeles kerdyas oh, romano jipen!




Ob ich in der Zukunft wohl noch Liebe finde,
Ob noch Blumen spriessen, mir zuduftend linde?
Niemand auf die Frage wird mir Antwort geben,
Denn mit meinem Liebsten starb auch hin mein Leben.
Gehen möchtʼ ich, wohin nie ein Mensch geriet;
Kann nicht, denn mein Herz zum Liebsten hin mich zieht!
Hier liegt ja begraben, was ich je besessen,
Und ich kann dies nie im Leben, nie vergessen!
Weinen muss ich immer, wenn daran ich denke,
Dass ich meine Liebʼ stets in das Nichts versenke!
Wer treibt mich von hinnen? was lockt mich ins Ferne?
Was kann mir mehr Leiden, was mehr Freude geben?
O daran bist du schuld, du Zigeunerleben!




Gina Ranjicic (1831-1891)
Aus: Aus dem inneren Leben der Zigeuner, Ethnologische Mitteilungen von Dr. Heinrich von Wlislocki, E. Felber Verlag, Berlin, 1892



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Johanna Beckmann - Die sterbende Geduld

Die sterbende Geduld

Ich  ging in Liebe und Leid den Weg.
Wieder und wieder fragt ich um Ruh
Viel hundertmal.
Keiner hatte Erbarmen.

Leben du —
Warum quälst du die Seele zu Tod
Jeden Tag, jede Nacht —
Und senktest so tief
Ein warm Verlangen
Wie träumenden Samen
Fragend still
In der Seele Tiefen?

Ich habe gewollt,
Es war zu schwer.
Laß mich sterben!
Ich kann nicht mehr.

Aus: Johanna Beckmann, Traum und Tat, Gedanken und Schattenbilder, Rösl und Cie., München, o. J.



Herta Graf - Venedig

Venedig

Im Salzhauch der Winde zerbröckeln
die Spitzengewirke aus Stein,
mit denen die Serenissima
sich schmückte, als ihre Galeassen
unter San Marcos
rotgoldenem Löwenbanner
die Adria beherrschten;


noch immer voll Grazie
wiegt sich der Totentanz
der Paläste und Kirchen
am Kanal Grande,
dunkel widerspiegelnd den Abglanz
vergangener, ruhmreicher Tage;


unruhvoll bebt die Lagune
im Pulsschlag des Meeres,
von Marghera vergiftet
bis ins Mark;


o sterbende Stadt,
die schönste der Erde;
der Mensch aber sucht Kontakt
zu fernen Planeten.




Aus: Labile Harmonien. Schwäbisch Gmünd: Einhorn-Verlag 1994, S. 23. In den Band aufgenommen wurden 50 Gedichte, die aufgrund einer 1993 erfolgten Ausschreibung aus 327 Eingesandten von einer Jury ausgewählt wurden.
Herta Graf (1911-1997)


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Copyright holder Klaus Graf (Wikipedia Commons)




Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
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Und ich befehle seinen lauen Fluten,
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Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
Kühn lebt mein Heute, müde schläft mein Gestern —
Mich trennen Welten jetzt von meinen Schwestern!

Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
Ich sehne mich nach einem wilden Sehnen,
Ich sehne mich nach schw…