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Es werden Posts vom April, 2012 angezeigt.

Hedwig Vogel - Hexenlieder - Warum ich Hexe ward

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Hexenlieder!
Warum ich Hexe ward!
Weil sie gar so schön, All die Maienpracht, Weil auf Flur und Höhn Die Walpurgisnacht!
Weil sein Augʼ gebrannt, Als er mein begehrt, Weil ich kühner Hand Nichts, Ihr, Herrn, gewehrt!
Weil der Kukuk rief Und die Drossel sang, Weil die Sonne schlief, Als er mich umschlang!
Weil mein Hochzeitskleid Nur ein Blütentraum, Weil das Brautgeschmeid, Nur der Wellenschaum!
Weilʼs der Dompfaff war, Der uns copuliert, Weil mein rotes Haar Keine Myrthe ziert!
Weil so sehnsuchtsvoll, Ihn mein Lied gegrüßt, Weil er wild und toll Immer mich geküßt!
Weil sich doch gepaart In ihm Lug und Trug: Wie ich Hexe ward, Wißt ihr. ― Nun genug!
Aus: Eva-Lieder von Hedwig Vogel, Wilhelm Ißleib, Berlin, Für Amerika: Max A. Silz, Cleveland, 1898



Elisabeth Janstein - In einer Gewitternacht

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IN EINER GEWITTERNACHT
Gewitterhimmel — auf dem Firmament Ziehn Löwen, die sich laut und knurrend jagen. O Sehnsucht, die in steilen Flammen brennt, Wie soll ich diese Glut zu Ende tragen?
Aus jedem Stein, aus Strauch und Blume quillt Dein Angesicht — will ich das Auge schließen, So trägt ein Purpurmeer das gleiche Bild An mir vorbei, vertausendfacht im Fließen.
Dein Wille griff — der Bogen war gespannt, Daß sich das Holz verbog, die Sehne klagte — Und immer noch bog frevelnd deine Hand Im Spiel, was keine sonst im Kampfe wagte —
Bis sich der Pfeil mit einem Mal besann Und abstieß mit des Vogelflügels Schwirren. Und eines Wunden Klage hörte man Aus weiter Ferne durch die Kronen irren.
So leuchte, Blitz, o knattere nieder, Sturm! Das Segel ist geschwellt zu wilden Fahrten. Die Seele, stumm und einsam wie ein Turm, Dem sich im Graun der Nächte Wunder offenbarten,
Hält ihre Ewigkeit zu Mond und Stern. Von Wolken eingehüllt, gewiegt von Winden, Wird ihr Erlittenes seltsam sanft und fern, Wie gütige Greise uns da…

Comtesse de Noailles - Tendresse

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TENDRESSE

J'écoute près de toi la musique, et je vois
Ta bouche et ton regard respirer à la fois;
Nous sentons notre vie abonder côte à côte:
Ce que la destinée apporte ou ce qu'elle ôte
Ne peut plus nous toucher; nous sommes accomplis
Comme deux morts anciens dans l'ombre ensevelis
Et qui, rigides, font un infini voyage . . .
Il me suffit de voir scintiller ton visage
Pour déguster la paix du milieu de l'été.
— Désir immaculé, passion innocente:
T'absorber par le cœur, sans que le corps ressente
Aucune humaine volupté!


(Comtesse de Noailles, Les vivants et les morts, Arthème Fayard & Co, Éditeurs, Paris, 1913)



Hedwig Ries - Enttäuschung

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Enttäuschung.

»Weh tut mir deine stille Traurigkeit,
mein Weib. Wo blieb dein fröhlich Lachen?
Dein stilles Lächeln, deine milde Güte?«
»Es kam die Zeit, da mich der Lenz nicht freut,
da mir das Lachen fror im kalten Herzen,
das Lächeln starr ward um vergrämte Lippen.«
»Mein Weib, mein Weib, wer tat dir das?«
»Die übergroße Liebe tatʼs, die an Enttäuschung starb.« —


Aus: Hedwig Ries, Am Born des Lebens, Gedichte und Skizzen, Franz Schneider Verlag, Berlin-Schoeneberg und Leipzig, 1919



Johanna König - Die Wikingstochter

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Die Wikingstochter

Willst du mein Buhle sein? Brich mir den Mut,
Aber sing nicht in Liedern; wie schön ich sei!
Zwing mich zu seliger Sklaverei!
Ich bin nur herrischen Helden gut.
Willst du mein Buhle sein? Komm übers Meer,
In einem Boot, einem kleinen Boot!
Schlage mir Vater und Brüder tot
Und trag mich hinab in das harrende Boot,
Und lache bei meiner Gegenwehr!


Aus: Johanna König, Die Windsbraut,  Amalthea-Verlag, Zürich, Leipzig, Wien, 1918





M. Herbert - Eros

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Eros.


O, wie stark du bist!
Dich zwingen nicht Stürme zur Erde,
Du kennst nicht Müh' noch Beschwerde,
Steigst immer bergan, bergauf,
Keiner hemmt dir den Lauf!
O, wie stark du bist!


Trittst du in die Versammlung herein,
Meint man, du müßtest ihr König sein,
So frei und so frank
Ist dein Gang.
O, wie stark du bist!


Den Stolz und die Stärke, die lieb' ich an dir.
Trägst sie wie einer Krone Zier,
Wie ein edel, unsichtbar Schwert;
Das Leben hat dich zu streiten gelehrt,
Das Leben gab dir den siegenden Mut,
Kühn ist dein Auge und flammend dein Blut.


Wärst du in alten Zeiten geboren,
Dich hätten die Helden zum Führer erkoren!
Hätten dich auf dem Schilde getragen,
Hättest die Schlachten für sie geschlagen,
Hättest die Feinde gezwungen zur Frone,
Säßest auf goldnem strahlenden Throne.
O, wie stark du bist.


*

Meine Wünsche möcht' ich wie zwei Schwingen,
Liebster, dir an deine Schultern heften,
Daß sie dich im Sturme vorwärts trügen
Durch die Luft mit ihren Wunderkräften,
Daß die Mauern vor dir niederstürzten,
Al…