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Es werden Posts vom März, 2013 angezeigt.

Gabriele Narzissa Zmichowska – Des Weibes Liebe

Des Weibes Liebe
Von zarten Engeln, die auf Erden sind,
Mit weißen Flügeln, sprach man mir als Kind,
Die, wenn sie mit den gottgeweihten Händen
Das Herz des Menschen liebevoll umfassen,
Es leiten auf den Wegen dieser Welt
Durch Sumpf und Felsengrund mit Sicherheit,
Vom Strahl des Gottgedankens mild erhellt
Und angeweht von warmer Gottesliebe.
Ich fragte, wo denn solche Engel sind?
Die gute Mutter stand an meiner Seite,
Sie küßte mir, dem kleinen Sohn, die Stirn
Und sagte nur: »Sie sind, mein theures Kind,
Dort, wo ein Weib ist, das dich innig liebt.«
Wie wahr hat meine Mutter da gesprochen!
Ein Engel naht: das Sein ist Hochgenuß,
Der Herzschlag sanft, der Himmel ungetrübt
Dort, wo ein Weib ist, das dich innig liebt.
Des Weibes Liebe gleicht dem ersten Gruß,
Der hier empfängt den jungen Erdenpilger,
Dem ersten Tropfen frischer Lebenskraft,
Mit dem man seine durst'ge Lippe feuchtet;
Sie gleicht dem Ton der Mutter, wenn sie knieend
An deiner Wiege Schlummerlieder sang.
Des Weibes Liebe – segenbringend leuch…