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Marina Iwanowna Zwetajewa - Mädchens Tod

François Pascal Simon, Cupid and Psyche


Mädchens Tod

Der Mond überflutete das kalte Parkett
In milchig, glatten Wellen
Mit einem Blumenstrauß an der heißen Wange
Schlief ich süß im Mondlicht.

Das Leuchten und der Schlaf störten einander
Müde öffnete ich die Augen
Und des Mädchens Tod beugte sich nieder
Als rosaroter Engel ohne Flügel.

Ein Medallion zitterte an ihrem schmalen Hals
Über ihre Wangen lag ein Erröten
Sie muß gelaufen sein: ein wenig staubig
Ihre blauen Pantoffeln.

Zierliche Muster mit Goldrand
In ihren Locken türkise Fäden
Du  kleiner Junge, ich  ein Mädchen: wir
werden auf der Straße ausgelassen sein.

Leg (du bist — der Ritter) das Spitzentuch an!
Ich gab ihr stumm den Blumenstrauß . . .
In milchigen, glatten und kalten Wellen
Überflutete der Mond das Parkett.


ДЕВОЧКА-СМЕРТЬ

     Луна омывала холодный паркет
     Молочной и ровной волной.
     К горячей щеке прижимая букет,
     Я сладко дремал под луной.

     Сияньем и сном растревожен вдвойне,
     Я сонные глазки открыл,
     И девочка-смерть наклонилась ко мне,
     Как розовый ангел без крыл.

     На тоненькой шее дрожит медальон,
     Румянец струится вдоль щек,
     И видно бежала: чуть-чуть запылен
     Ее голубой башмачок.

     Затейлив узор золотой бахромы,
     В кудрях бирюзовая нить.
     Ты  маленький мальчик, я  девочка: мы
     Дорогою будем шалить.

     Надень же (ты  рыцарь) мой шарф кружевной!
     Я молча ей подал букет...
     Молочной и ровной, холодной волной
     Луна омывала паркет.

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Johanna Beckmann - Die sterbende Geduld

Die sterbende Geduld

Ich  ging in Liebe und Leid den Weg.
Wieder und wieder fragt ich um Ruh
Viel hundertmal.
Keiner hatte Erbarmen.

Leben du —
Warum quälst du die Seele zu Tod
Jeden Tag, jede Nacht —
Und senktest so tief
Ein warm Verlangen
Wie träumenden Samen
Fragend still
In der Seele Tiefen?

Ich habe gewollt,
Es war zu schwer.
Laß mich sterben!
Ich kann nicht mehr.

Aus: Johanna Beckmann, Traum und Tat, Gedanken und Schattenbilder, Rösl und Cie., München, o. J.



Herta Graf - Venedig

Venedig

Im Salzhauch der Winde zerbröckeln
die Spitzengewirke aus Stein,
mit denen die Serenissima
sich schmückte, als ihre Galeassen
unter San Marcos
rotgoldenem Löwenbanner
die Adria beherrschten;


noch immer voll Grazie
wiegt sich der Totentanz
der Paläste und Kirchen
am Kanal Grande,
dunkel widerspiegelnd den Abglanz
vergangener, ruhmreicher Tage;


unruhvoll bebt die Lagune
im Pulsschlag des Meeres,
von Marghera vergiftet
bis ins Mark;


o sterbende Stadt,
die schönste der Erde;
der Mensch aber sucht Kontakt
zu fernen Planeten.




Aus: Labile Harmonien. Schwäbisch Gmünd: Einhorn-Verlag 1994, S. 23. In den Band aufgenommen wurden 50 Gedichte, die aufgrund einer 1993 erfolgten Ausschreibung aus 327 Eingesandten von einer Jury ausgewählt wurden.
Herta Graf (1911-1997)


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Copyright holder Klaus Graf (Wikipedia Commons)




Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
Daß sie mich tragen, ihre Königin!
Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
Kühn lebt mein Heute, müde schläft mein Gestern —
Mich trennen Welten jetzt von meinen Schwestern!

Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
Ich sehne mich nach einem wilden Sehnen,
Ich sehne mich nach schw…